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Über Erfolg und Misserfolg am Berg

Gedanken und Erkenntnisse nach einer (Miss/Ge)lungenen Expedition zum Chandra Bagha 13 in Indien
Gleich vorne weg: Nein, wir haben den Gipfel des 6264 m hohen C.B. 13 auf unserer elftägigen Expedition nicht erreichen können und mussten sogar einen frühzeitigen Rücktritt antreten. Nicht nur der plötzlich eintretende Schneefall, sondern vor allem die Symptome der Höhenkrankheit und eine Kopfverletzung durch Steinschlag bei einem unserer Teilnehmer waren die Gründe noch vor dem Gipfelcamp schnellstmöglich den Rückzug anzutreten.


Plötzlich wurde aus einem aufregenden Abenteuer mitten im indischen Himalaya bitterer Ernst und der ansonsten so friedlich wirkende C.B 13 schien auf einmal lebensbedrohlich.
Verletzungen und Erkrankungen bei den Teilnehmern, kein Gipfelglück, verfrühte Umkehr. Warum schreibe ich als Veranstalterin der Expedition überhaupt über diesen scheinbaren Misserfolg und bewahre nicht viel besser Stillschweigen?
Nun ja, dafür gibt es mehrere Gründe, über die ich hier gerne schreiben möchte.

1. Eine Expedition ist kein Versprechen für eine erfolgreiche Besteigung des Gipfels.
Eine erfolgreiche Bergbesteigung ist das Ergebnis aus Professionalität am Berg mit guter Vorbereitung, technischen Kletterfähigkeiten, körperlicher und mentaler Fitness und einer ganzer Reihe an günstigen Umständen wie beste Wetterbedingungen und Gesundheit. Allein diese beiden haben schon so manchen Bergsteiger in die Knie gezwungen.

Fast sprechen mehr Gründe gegen einen Erfolg, als dafür. Dennoch ist der Mensch gewillt einen großen Aufwand für diese Chance in Kauf zu nehmen und ist sich über dessen mögliche Verläufe bewusst.
Eine Bergbesteigung ist keine einfache Trekkingtour, bei der ziemlich genau jeder einzelne Tag geplant und einfach umsetzbar ist. Nein, bei einem technisch anspruchsvollen Gipfel wie dem C.B. 13 kann sich weder Team noch Teilnehmer dem Ausgang der Expedition sicher sein.
Dennoch tun wir bei der Organisation einer Expedition natürlich unser Bestes, um den Erfolg zu maximieren. Das bringt mich zu meinem zweiten Punkt.

2. Professionalität der Expedition
Ein erstklassig ausgebildetes Team an Bergführern, Trägern und Köchen sorgt bei uns dafür, dass die Expeditionsteilnehmer bestens betreut und sicher zum und vom Gipfel geleitet werden.

Technik Übungen am Berg

Die Expeditionslänge für die Besteigung des CB 13 wurde großzügig geplant – mit einigen zusätzlichen Tagen für Akklimatisierung, Training oder für den Fall schlechten Wetters. Gute und umfangreiche Kletterausrüstung garantierte die nötige Sicherheit am Berg.

Umfangreiche Ausrüstung

Bei dieser Expedition sorgte eine 1 zu 1 Betreuung von Teilnehmer und Bergführer dafür, dass selbst bei Schwächeerscheinung oder Aufgabe eines Kundens, der andere immer noch eine Chance auf einen Gipfelerfolg haben könnte.


Unsere zwei Teilnehmer absolvierten die ersten Tagen sehr gut. Nicht nur, dass sie ziemlich gut mit der Höhe zurechtkamen und sich gut akklimatisierten, sie waren auch geistig und körperlich gut drauf, bester Stimmung und voller Begeisterung für die umliegende Bergwelt und dem fürsorglichen Team.
Als bei einem Teilnehmer erhebliche Höhenbeschwerden mit Übelkeit und Kopfschmerzen auf 5500 m Höhe auftraten, die ihn zum Abstieg zwangen, war der weitere Aufstieg für das restliche Team zunächst geplant.

Erst als der Betroffene unglücklicherweise während des Abstiegs von einem Stein an der Stirn getroffen wurde und schlechteste Wetterbedingungen hinzukamen, war ein Abstieg für das gesamte Team unumgänglich.


Zu diesem Zeitpunkt wussten wir nicht, wie schlimm es um den verletzten Teilnehmer stand und musste eine sofortige Rettungsmaßnahme ergriffen werden, um den sicherem Abstieg über Eispassagen und Gletscherspalten im Schneesturm für alle zu gewährleisten.
Selten war ich so dankbar, als alle wieder sicher unten im Lager waren, wo das restliche Team auf uns wartete und wir die Wunde schnellstmöglich versorgen konnte.
Glücklicherweise stellte sich heraus, dass die Platzwunde an der Stirn zwar tief, aber nicht lebensgefährlich war.


Fürchterliches Schneetreiben über Nacht machte auch einen zweiten Gipfelversuch aussichtslos. Den verletzten Teilnehmer konnte das Team sicher und schnell innerhalb von zwei Tage zurück nach Manali bringen. Als wir am nächsten Abend dann alle zusammen im Restaurant Pizza und Tandoori Chicken aßen, konnten wir alle schon wieder lachen und wurden uns nicht nur unseres Abenteuers bewusst, sondern empfanden gemeinschaftlich Dankbarkeit dafür, dass wir alle zusammen unbeschwert und am Leben den Abend verbringen durften.

 

3. Faszination Berg
Berge können auf uns Menschen eine ganz besondere Faszination ausüben und für einige von uns birgt eine Besteigung ein unglaubliches Gefühl an Freiheit und Glück. Doch wenn einige Faktoren wie Wetter, Schnee-, Fels- und Eisbedingungen und Gesundheit nicht mitspielen, kann so ein Berg schnell zu einer lebensbedrohlichen Gefahr werden. Ich selbst habe während dieser Expedition die Schönheit des C.B. 13 gesehen und habe mir ein paar Tage später nichts sehnlicher als den erfolgreichen Abstieg für das gesamte Team gewünscht.


Mein aufrichtiger Dank geht hier an das gesamte Bergteam! Nur durch die Professionalität im technischen Gelände der beiden Bergführer Jogi und Sanju konnte sowohl unser verletzter Teilnehmer, als auch wir anderen sicher in unser Lager absteigen. Die steilen Passagen über hartes Gletschereis mit tiefen und breiten Gletscherspalten waren wahrlich eine Herausforderung. Und auch unser Trägerteam Sanju und Puran und Koch Happy sorgten mit ihrer Fürsorge und schneller Handlungsbereitschaft für ein Gelingen der Expedition im weiteren Sinne.

4. Es waren tolle und lehrreiche 10 Tage.
Trotz dieser kritischen und lebensbedrohlichen Situation, hatten wir alle dennoch eine sehr gute Zeit zusammen. Der indische Himalaya ist atemberaubend und allein während der ersten 6 Tage des Aufstieges durften wir diesen mächtigen Himalaya hautnah in seiner ganzen Pracht erleben. Da gab es gewaltige Gletscher, im Sonnenlicht glänzende weiße Bergspitzen, reißende Flüsse, Wasserfälle, die schönsten Sternenhimmel, Geröllfelder soweit das Auge reichte..


Auf dem technischen Gelände lernten wir Bergsteigertechniken, wie das Gehen in der Seilschaft, den Umgang mit Steigeisen und Spitzhacke, das Abseilen und Sicherungstechniken. Wir lernten im Team zu arbeiten und uns gegenseitig zu schätzen. Nicht wenige Nächte verbrachten wir alle zusammen im Küchenzelt, tranken Chai und aßen Reis, lachten, sangen und erzählten.

Wir kamen uns nah, wurden ein Team und genossen die Zeit inmitten der Berggiganten. Und vor allem lernten wir, was wirklich im Leben wirklich zählt: Das Leben selbst! So nichtig wurde die Besteigung eines Sechstausenders, als es plötzlich um das Leben ging.
Ohne selbst besonders religiös zu sein, habe ich Gott für unser aller Leben gedankt.


Doch eines bleibt. Der C.B. 13 ist noch immer ein wunderschöner Berg und wir werden wieder kommen. Vielleicht erlaubt er uns ja beim nächsten Mal ein Stück weiter an seinen Gipfel heran.
Auch wenn eine erfolgreiche Bergexpedition das schönste ist – ein Nichterfolg ist sicherlich die lehrreichere Erfahrung.

Hier das Video zur Expedition.