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Goa- Hippy Oase, Spirituelle Ausbildungsschmiede, Party Hochburg und Langzeit Urlauber Paradies

Ein Bericht über meinen dreiwöchigen Aufenthalt am Arambol Strand

Sonnenuntergang in Goa

In Goa gibt es über 50 Strände, dabei scheint es fast nicht mehr möglich, einen ganz ursprünglichen Strand zu finden. Trotzdem gibt es unter den 50 Stränden in Goa den Passenden genau für jeden von uns: Da gibt es die Strände für Pauschal Touristen in Baga und Calangute mit großen luxuriösen Hotelanlangen. Dann gibt es noch relativ natürliche Fischer- Strände wie Benaulim ohne große Partys aber mit Wassersport und Delfin Sightseeing Trips. Es gibt Strände, die die indischen Touristen bevorzugen (Colva) und Strände, die von den Russen (Morjim) dominiert werden. In Süd Goa gibt es besonders schöne Strände wie Agonda und Palolem, die zu ein paar entspannten Tagen am Meer einladen. Aber auch hier ist der Kommerz am Wachsen.

Wer nach Partys und Hippy Leben Ausschau hält, ist wahrscheinlich in Arjuna und Arambol gut aufgehoben. Aramabol ist der nördlichste Strand an der Grenze zu Maharashtra.

Moment Mal? Hippy Life und Partys??? Das ist ja so GAR NICHTS für mich!! Was also hat mich dazu getrieben, für drei Wochen nach Arambol zu gehen?

Nun, die Gründe dafür waren vielfältig.

Zum einen habe ich hier vor nunmehr 7 (!) Jahren meine erste Yoga Lehrer Ausbildung absolviert. Nun wollte ich wieder etwas Zeit mit einem meiner ältesten Yoga Lehrer verbringen, um mich mehr auf Asthanga Yoga zu konzentrieren. Dadurch habe ich einen interessanten neuntägigen Kurs für eine Ausbildung in Klangschalen und Mantra Meditation gefunden.

Da ich alleine nach Arambol gehen würde, hat mir die Vorstellung gut gefallen a) zu einem Strand zu gehen, den ich kannte und b) an einen Ort zu verweilen, wo ich auch viele Bekannte habe. Die meisten Ladenbesitzer verbringen ein halbes Jahr im Winter in der Hauptsaison in Arambol und ziehen dann für die Sommermonate nach Manali, meinem früherem zuhause. Ob Wäsche-Damen, Restaurantbesitzer oder Friseur: Ich kenne sie alle :).

Also ging es Mitte Februar, nach einer intensiven zweiwöchigen Rajasthan Reise, nach Goa. Das warme Wetter, der tropische Duft, die grünen Palmen und das Meeresrauschen entfachten sofort Urlaubsstimmung in mir.

Tatsächlich war die Ankunft in Arambol selbst dann doch ein kleiner Schock. Arambol war eine künstliche Welt, bestehend aus Shops, Gasthäusern, Restaurants und Yoga Studios. Nicht, dass sich so viel in den letzten sieben Jahren geändert hätte, aber vielleicht habe ich in letzter Zeit zu viel Zeit im „wirklichen Indien“ verbracht. Denn mit dem ursprünglichen Indien hat dieser Ort eigentlich nicht mehr viel zu tun.

Vielleicht allerdings ist es auch genauso, dass so ein Ort genau nur in Indien entstehen kann? Inder sind sehr geschäftstüchtig und lieben gutes Business: wenn es eine Nachfrage gibt, können Inder diese schnell und günstig bedienen: Fruchtshakes, vegane Kuchen, Liegen direkt am Meer, Yoga Stunden, Massagen, Leihmopeds, Wäscheservice, Wohnungen zur Miete? Alles kein Problem – Sab Kuch Chalega, wie man so schön auf Hindi sagt.

In den ersten Tagen macht dieser „Hippi“ Luxus für wenig Geld irgendwie Spaß: Zu einer angenehmen Zeit morgens zum Yoga gehen, danach gemütlich mit frischem Fruchtsaft und  „Israelisch“ Frühstücken, anschließend direkt ans Meer und nach einem angenehmen Bad sich auf der kostenlosen Strandliege liegend, eine Mango Lassi servieren lassen. Am Nachmittag dann vielleicht eine Massage oder ein Tischtennis Match oder eine Runde Schach? Zum Sonnenuntergang geht es dann wieder zum Strand, hier trifft man scheinbar Jeden, der sich gerade als Gast in Arambol aufhält.

Was hier vor sich geht, ist kaum zu beschreiben: In kleinen Grüppchen oder alleine wird getanzt, meditiert, getrommelt, gesungen oder Yoga geübt. Langzeit-Touristen haben sich in am Strand aufgereiht, um ihren selbstgemachten Schmuck, Energie- Kugeln, Gemälde oder Massagen zu verkaufen. Daneben verkaufen Inder an ihren Ständen geröstete Maiskolben, aufgeschnittene Wassermelone und Eis.

Ist die Sonne dann untergegangen, kann man an einem Tisch direkt am Strand seine Fischplatte genießen.

Spätestens nach ein paar Tagen sieht man ganz schnell auch eine ganz andere Seite: Der Strand ist stark verschmutzt. Auch wenn alles recht günstig scheint, ist ein Tag in Arambol mit dreimal am Tag essen gehen, doch insgesamt recht preisintensiv und ohne ein Moped scheint es aus dieser künstlichen Welt auch irgendwie kein Entkommen zu geben?!

Für mich selbst ging es übrigens nach dem Abendessen ab ins Bett. So wie für alle diejenigen, die nach Arambol für einen Kurs (egal welcher Art) gekommen sind. Für andere beginnt erst in der Nacht der wirkliche Spaß mit Partys, Marihuana und steuerfreiem Alkohol.

Man könnte meinen, dass da irgendwie ein Widerspruch ist. Die Hälfte der Arambol Gäste ist hier für ihre spirituelle Weiterentwicklung und belegt Kurse in Yoga, Meditation, Massagen und Ayurveda. Die andere Hälfte verbringt ihre Zeit mit Party, Strand und Faulenzen.

Wanderpfad zum Querim Beach

Doch diese beiden Extreme verstehen es, sich irgendwie nicht zu begegnen. Wenn der eine Teil aufsteht, um am Strand zu joggen oder zur Yoga Stunde zu gehen, sind für den anderen Teil gerade die Partys beendet und man geht ins Bett, schläft lange und steht dann irgendwann gegen Mittag auf, während Erstgenannte noch Unterricht hat. Erst bei Sonnenuntergang am Strand treffen beide Teile aufeinander  und das harmoniert erstaunlich gut.

morgendliche Laufstrecke zu, Mandrem Beach

 

Insgesamt ist Arambol ein Paradies für alle, die sich auf den Gebieten Yoga, Meditation und Ayurveda weiterentwickeln möchten – sei es in Form einer strengen Ausbildung oder einfach nur privat, indem man an den verschiedensten Stunden teilnimmt.

Yoga bei Vijay, Universal Yoga

So kann man mal an einer intensiven Asthanga Yoga Stunde teilnehmen, hört sich dann einen Vortrag zum Thema buddhistische Meditation an, besucht am Nachmittag eine spaßige Acro Yoga Stunde oder übt entspannenden Yin Yoga, um den Abend dann bei einem Kirtan Konzert ausklingen zu lassen.

In Arambol kann man Harmonium spielen lernen, einen Kurs zum Mala-Knüpfen besuchen, Meditationslehrer werden, einen Kurs im Iyengar Yoga belegen oder eine Yoga Lehrer Ausbildung in  eigentlich jede Richtung belegen.

Wichtig jedoch ist, sich bei der Wahl seines Kurses vorher genau nach der Qualität des Kurses zu informieren. Denn neben zahlreichen sehr guten und erstklassigen Schulen und Lehrern, gibt es auch eine Menge Scharlatane, die auf den Zug aufgesprungen sind und Leistungen anbieten, die aufgrund von Mangel an Befähigung, einfach nur schlecht sind. Denn Yoga und Co ist auch in Indien schon längst ein hervorragend funktionierendes Geschäft.

Doch hat man erst einmal ein gutes Angebot in Arambol gefunden, kann der Ort wirklich eine recht angenehme Umgebung bieten. Klar, man lebt nicht in einem indischen Ashram und erfährt vielleicht nicht die traditionellste Form des neuen Wissens direkt im Alltag vor Ort. Aber irgendwie hat es auch etwas, wenn man einen intensiven Unterrichtstag entspannt am Strand beim Sonnenuntergang abschließen kann, frische Früchte genießen kann und auch einfach einmal in einem netten Restaurant dem „Schülersein“ entfliehen kann ,bei einem leckeren Falafel Lafa oder einer Meeresfrüchte Pizza ein Buch lesen kann.

Israelisches Frühstück Shashuka 

Ich selbst mochte meinen Alltag in Arambol mit der Zeit sehr. Jeden Morgen ging ich noch vor meinem Unterricht am Strand eine Runde laufen oder machte Yoga, in meiner Mittagspause traf ich mich mit meinem Harmonium Lehrer und am Abend begab ich mich zu einem meiner Lieblingsrestaurants, wo man mich schon freudig erwartete.

Special Veg Platter von Bees Knees

 

Ich war nicht traurig, am Ende meines Kurses Arambol zu verlassen, denn ich freute mich auf mein richtiges indisches Leben und auch darauf, mir einfach mal wieder selbst ein Müsli machen zu können, ohne dafür in einem Restaurant mehrere hundert Rupien zu bezahlen. Doch diese drei Wochen hatten definitiv einen Erholungseffekt, ermöglichten mir viele neue und alte Bekanntschaften und selbst der Kurs, die Harmonium und die Yoga Stunden wirken noch immer nach.

Für alle, die ebenfalls nach Arambol kommen für eine Yoga Lehrer Ausbildung oder ähnliches, habe ich folgende Empfehlungen:

  1. Sucht euch ein Zimmer mit Küche, für das ihr eine wöchentliche oder monatliche Rate bezahlt. Vielleicht findet ihr ja auch Mitbewohner, mit denen ihr euch ein ganzes Haus teilen könnt oder in eurem Kurs ist Unterkunft und Verpflegung inkludiert. Denn glaubt mir, ab und zu macht Ausgehen zum Essen Spaß, aber auf die Dauer ist es anstrengend, langweilig und wirklich teuer.
  2. Mietet euch für euren Aufenthalt ein Moped. So könnt ihr auch einmal aus „Wonderworld“ Arambol hinaus in das wirklich Indien, zu sauberen Stränden fahren, mal günstig und wirklich indisch Essen und die Freiheit und Unabhängigkeit genießen.
  3. Innerhalb Touri-Arambol gibt es keinen Bankautomaten, aber 1 km außerhalb am „Arambol Bus Stand“. Der Fußmarsch dahin lohnt, wenn man keine extra Gebühren beim Geldwechsler bezahlen möchte.
  4. Meine Lieblingsrestaurants sind Shimon Falafel (für Humus, Shakes, Bourekas und natürlich Falafel). Taste of India für die beste , Samosa, selbstgemachter Pasta und günstige Thalis), The Bees Knees für die beste und größte Veg Platter (wirklich große gute Portionen).
  5. Ein wirklich schöner Spaziergang ist es, über die Pfade zum nördlichen Querim Strand zu laufen. Wer einen Strandtag machen möchte, geht am besten zum anschließenden Mandrem Strand weiter südlich.
  6. Mit dem Moped kann man einen Tagesausflug zur Haupstadt Panjim oder zu den Gewürzplantagen hinter Old Goa einlegen.

Old Goa

Viel Spaß in Goa