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Corona Virus in Indien und wie ich (mit Chalo! Reisen) damit umgehe

Update:

Seit heute, dem 25.03.2020 0:00 Uhr steht ganz Indien für drei Wochen unter Ausgangssperre, wie Modi gestern um 20:00 Uhr in seiner zweiten Ansprache innerhalb einer Woche verkündete.

Gerade in den Städten brach etwas Panik aus: übereiltes Shopping  und Abreise in die Dörfer.

Besondern Indiens arme Bevölkerungsschicht hat mit den Auswirkungen des Virus zu kämpfen. Modi kündigte Unterstützung an.

In Himachal Pradesh, dem Bergstaat in dem ich lebe, wurde die Ausgangsperre schon gestern ab 17 Uhr erteilt, da sich die Bevölkerung an die strengeren Auflagen (keinen Kontakt etc) nicht hielt.

Ab morgen sollen Versorgungsmöglichkeiten eingerichtet werden.

Die Polizei ist streng und greift hart durch. Es drohen Schläge und sogar das Gefängnis. Aber bei dieser Bevölkerungsanzahl müssen wohl strenge Maßnahmen durchgeführt werden. Sonst hält sich niemand hier daran.

David und mir geht es gut und wir sind beide froh, nicht allein zu sein.  Wir sitzen hier natürlich nun mindestens für drei Wochen fest, aber David hätte eh nicht in die EU einreisen können und das Angebot der deutschen Regierung, mich mit anderen gestrandeten Deutschen in Indien auszufliegen, hatte ich vor drei tagen abgelehnt.  Nun  ist es zu spät.

Wir sind relativ gut ausgestattet, ohne Toilettenpapier und Rotwein, aber von Reis und Linsen können wir ein paar Wochen überlegen. Ein Shank Prakshalan (yogische Reinigungskur) oder eine Fastenkur bietet sich ja irgendwie fast an. Darüber muss ich nachdenken. Falls unser Gas ausgeht, ist das ja zumindest eine ernst zunehmende Idee. Eine indische Freundin von mir, empfiehlt die Masken auch zuhause zu tragen, um uns vor Essen aus langer Weile zu schützen… haha.

Also draußen Fahrrad fahren hat sich erledigt- die Polizei patrouilliert fleißig und lässt jeden, die sie erwischt die “ Henne“ machen oder Planks…So ist viiiieeeeel Zeit für Yoga auf den Balkon und vielleicht kommt auch bald Zwift zum Einsatz. Für Online Anbieter läuft es!

Mein Yoga Lehrer Vishwa ji vom Akhanda Yoga aus Rishikesh bietet euch übrigens mit dem Gutscheinwort “ HARIOM“ , 6 Wochen kostenlose Yoga Stunden an.

In diesem Sinne Hari Om, bleibt gesund,

eure Sarah

„Go Corona Go, go Corona Go”.

Inder haben fast immer eine andere Herangehensweise als wir Europäer es erwarten würden. So nutzen sie auch ihren starken (Aber-)Glauben bei Corona und versuchen mithilfe von friedlichen Demonstration, heiligen Zeremonien und Ablassbriefen gegen den Virus vorzugehen.

Glücklicherweise ergreift die Regierung zudem weitere (strenge) Maßnahmen, um Corona weitestgehend im Zaum zu halten.

Dabei hat Indien den Zeitfaktor als Vorteil. Während in China, Korea und Europa Entschlüsse wie Schulschließungen und Ausgangssperre erst gemacht werden konnten, als der Virus schon auf dem Durchmarsch war, reagiert Indien schnell und verhängt all diese Maßnahmen schon vor der großen Virus-Welle.

Nach Experten ist Indien, Europa ca. 2-4 Wochen mit der großen Corona Epidemie hinterher. Bisher gibt es 225 Fälle (4 Tote)- bei 1,3 Milliarden Indern ein winzig kleiner Prozentsatz. Doch zugegeben,fängt Corona an, sich erst einmal in Indien auszubreiten, dann geht es wohl auch hier rasend schnell, spielen Faktoren wie Bevölkerungsdichte, schlechte hygienische Bedingungen und ein großes Reiseaufkommen hier mit rein.

Doch wie gesagt, Indien setzt alles daran, dass dies nicht zu schnell, zu heftig passiert und reagiert sofort.

Ziemlich schnell nach Einreise der ersten infizierten Italiener, wurden all Visa für Touristen, die noch nicht nach Indien eingereist sind, bis zum 15. April ungültig erklärt. Nun wird es für mindestens eine Woche mit Start am 23.3 ein Flugverbot in und aus Indien geben. Dadurch soll die weitere Ansteckung von Corona aus dem Ausland vermindert werden.

Auch innerhalb des Landes tut sich viel: Schulen und Universitäten sind zu, Hotels werden geschlossen, der Bus- und Zugverkehr eingestellt, Geschäfte geschlossen, Versammlungen von mehr als 20 Personen sind verboten, selbst das Taj Mahal und Co bleiben zu- und wie gesagt- das alles schon ohne eine große Anzahl von Corona Fällen. Vielleicht rechtzeitig genug.

Am Sonntag, den 22 März gibt es etwas, das die Inder „Janata Curfew“ nennen und wir unter Ausgangssperre verstehen. Der eine Tag, an dem darum gebeten wird, von 7 Uhr bis 21 Uhr nicht das zuhause zu verlassen, scheint wohl erst einmal nur symbolische Bedeutung zu haben. Doch sollen wir alle um 15 Uhr entweder Mantra chanten oder mit Glocken klingeln um positive Vibrationen auszusenden. Ohne wäre es ja auch irgendwie nicht indisch genug!

Soweit zur Corona Situation.

Und wie ist die Situation für mich, Chalo! Reisen und meinen Gästen?

Nun, ja. Ich habe das erste Mal richtigen „ Urlaub“ seit März 2014, als ich Chalo! Reisen gründete. Seitdem gab es keinen einzigen Tag, an dem ich nicht irgendwie mit Chalo! Reisen involviert gewesen bin. Sei es lediglich das Öffnen meines Email Accounts, das Buchen eines Fluges oder ein Besuch einer Unterkunft oder gar das Begleiten einer Reise oder Planen einer Tour. Alles keine großen Beschäftigungen, aber ich war halt immer „on“.

Selbst wenn ich für zwei Wochen auf einer Himalaya Tour unterwegs war, wo ich ja kein Netzwerk oder Internet hatte, war ich natürlich dennoch für Chalo! Reisen beschäftigt.

Gerade 2019 und Anfang 2020 war sehr intensiv, entwickelte sich Chalo! Reisen doch immer mehr zu einem gut funktionierenden Reiseunternehmen mit anfallenden Aufgaben, die für mich als Einzelperson in der Gesamtsumme doch recht zeitintensiv wurden, zumal ich auch ziemlich viele Reisen selbst begleitete. An sich eine wirklich positive Sache, aber vom Arbeitsumfang wurde es so viel, dass ich kaum Zeit für mich selbst als Privatperson hatte und zudem nicht mehr sicher war, ob Chalo! Reisen sich in eine Richtung bewegte, die ich so noch wollte.

Ich wünschte mir Zeit für mich und Zeit mit meinem Freund, den ich nur alle paar Wochen für nur ein paar Tage zu Gesicht bekam. Und Zeit um über Chalo! Reisen nachzudenken.

Das diese Zeit auf einmal so plötzlich und ohne mein Zutun kam, war natürlich eine Überraschung.

Am Tag bevor ich für zwei weitere Reisen nach Kerala aufbrechen wollte, kam die Nachricht, dass keine Einreisen nach Indien mehr erlaubt seien.

Das hieß natürlich erst einmal schnelles Agieren: Mit den Gästen in Kontakt treten, Buchungen canceln etc. Aber dann wurde es ruhig.

Natürlich treffen mich die Restriktionen um den Corona Virus geschäftlich genauso wie andere Unternehmen (im Tourismussektor).

Keine Touren, heißt kein Einkommen. Keine Buchungen bedeuten keine Touren.

Glücklicherweise hatte ich bis zum Sommer nur vier Buchungen. Zwei Yoga Reisen in Kerala, die ich begleitet hätte und die mir persönlich auch gefallen hätten, sowie zwei Privatreise. Ich hoffe diese Reisen können irgendwann nachgeholt werden.

Alle Reisen mussten abgesagt und die Reisekosten zurückerstattet werden. Hier habe ich das Glück, dass alle meine Partner Vorort so kulant waren, und die Zahlungen für zukünftige Buchungen aufschieben- irgendwann müsst ihr also alle doch wieder nach Indien reisen :).

Drei meiner Gäste sind übrigens noch genau rechtzeitig vor Einreisesperre nach Indien gekommen um mit meinem Guide Dikshika einmal quer durch Indien zu reisen. Heute fliegen sie ihre letzte Station an: Kerala. Bisher lief alles gut und ich kann diese Reise unter einer weiteren neu gemachten Erfahrung abbuchen. Tatsächlich musste die Reise hier und da etwas verändert und angepasst werden. Den Gästen geht es gut und wollen auch gar nicht mehr zurück nach Deutschland ;).

Mit der ungewissen Zukunft die Corona bringt, werden jetzt gerade natürlich auch keine Indien Reisen gebucht. So kann ich meine Energie von anfallender Arbeit zu liegengebliebener und langfristiger Arbeit verschieben: Webseiten Pflege, das entwerfen neuer Reisen, über die Zukunft von Chalo! Reisen nachdenken.

Zugegeben, bis auf letzteres, lasse ich die Arbeit schon sehr gemächlich angehen, denn nun ist auch endlich mal wieder Zeit für mich selbst!

Und Überraschung! Auch das musste ich erst einmal wieder lernen!

Zeit für mich, bedeutet natürlich nicht nur „Leben in den Tag hinein“ (aber ein bisschen schon und das tut auch unglaublich gut), sondern für mich vor allem wertvolle Zeit mit mir selbst – und mit meinem Freund. Alle anderen sozialen Kontakte verbieten sich ja gerade von selbst.

Also mache ich das, was mir gut tut und in den letzten Wochen und Monaten doch zu kurz kam. Das sind vor allem Sport, Yoga und mein Harmoniumspiel. Außerdem koche ich viel, gesund und lecker, was in Indien mit all den frischen Zutaten hervorragend klappt.

Zudem habe ich endlich begonnen, intensiver in Ayurveda einzutauchen und mache gerade einen Ayurveda Online-Kurs. Mein Freund ist  nicht ganz so begeistert wie ich, dass plötzlich Triphala im Regal steht, ständig ein indischer Mann in meinen Lehr -Videos mit Sanskrit Wörtern um sich schmeißt und ich seine vielen Stunden im Bett auf einen Kapha- Überschuss zurückführe! Aber mir macht es unglaublich Spaß mich weiterzubilden und tiefer in diese tolle Schwester-Wissenschaft von Yoga einzutauchen.

Sobald menschlicher Kontakt wieder erlaubt ist, sind auch weitere praktische Ausbildungen geplant.

Außerdem bin ich gerade mit einem indischen Freund und Yoga Lehrer (manche von euch werden Noor von  Delhi Sightseeingtouren und Yoga Treks kennen) im engen Austausch. Gemeinsam wollen wir eine Yoga Schule in Indien gründen und euch schon im nächsten Jahr zertifizierte Yoga Lehrer Ausbildungen anbieten.

Andere Projekte wie die Umsetzung eines Kochbuches mit Rekha aus Jodhpur, sowie die Suche nach einem schönen Fleckchen Land im Bergstaat Uttrakhand, müssen etwas nach hinten verschoben werden, bis Corona das Reisen und den Menschenkontakt wieder möglich macht.

Aber das ist auch gut so, sonst wäre ich ja wieder auf und davon und hätte keine Zeit für mich, neben all den Ideen.

In diesem Sinne, bleibt gesund, seid nett zu euch selbst, entdeckt alte und neue Hobbies und  dann ist hoffentlich auch diese intensive Zeit bald gut überstanden.