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Mountainbiken im Indien vs. Europa -Der Vergleich

Mit dem Mountainbiken habe ich in Indien begonnen: Der Himalaya mit seinen langen An- und Abstiegen, schlechten Straßen und wunderbaren Bergpfaden bietet einfach die perfekten Voraussetzungen für diesen Sport. Ein Rennrad wäre hier einfach fehl am Platz und so setzte ich mich das erste Mal vor acht Jahren auf ein Mountainbike, um von meiner Wahlheimat Manali eine kleine Ausflugsfahrt in das 22 km entfernte Dorf Naggar zu machen. Die breiten Reifen, die Federung und der weite Lenker waren für mich als Hobby-Radfahrerin ungewohnt. Hinzu kamen die intensiven Steigungen und der indische Straßenverkehr. Doch am Ende des Tages hatte ich nicht nur eine schöne Tour gehabt, sondern auch ein neues Hobby gefunden!

Nun, acht Jahre später, habe ich an meinem ersten Mountainbike-Rennen außerhalb Indiens Teil genommen: Der siebentägigen Bike-Transalp. Über 500 Kilometer und 18000 Höhenmetern ging es, wie der Name vermuten lässt, einmal über die Alpen von Imst nach Arco am Garda See.

Hier der Bericht.

Nicht nur, dass es mein erstes Rennen in Europa war, es war überhaupt meine erste Aktion auf einen Mountainbike außerhalb Indiens überhaupt.

Zwei Wochen später nahm mich ein befreundetes Pärchen mit auf eine viertägige Bike-Wanderung durch den Harz.

Diese beiden Erlebnisse gaben mir einen guten Eindruck, wie Mountainbiken in Europa funktioniert und machte mir die Unterschiede zum Mountainbiken in Indien deutlich.

Radwege, -straßen und -pfade

Diese gibt es in Indien nicht und umso größer ist meine Begeisterung für das deutsche Radwegenetz! Wenn man sich nur etwas Mühe gibt und seine Tour vorher
plant, ist es möglich Tage oder gar Wochen ausschließlich auf Radwegen unterwegs zu sein. Selbst für Mountainbiker habe ich in den Alpen extra ausgeschriebene Wege gesehen! Wahnsinn! Während sich auf den Wanderwegen die Fußgänger ausleben, begegnen sich auf diesen Pfaden ausschließlich
Mountainbiker. Die Pfade sind weit und sowohl auf- und abfahrbar. Ein völlig neues Mountainbike-Erlebnis für mich!

 

In Indien gibt es tolle Trails, kilometerlang und durch die herrlichsten Gegenden. Doch fahre ich dort auf denselben Pfaden, die die Einheimischen nutzen,
um Feuerholz zu sammeln oder ihre Kühe auf die Weide zu führen.

Statt Mountainbikern begegnet man Frauen mit Körben voller Gras oder einer Ziegenherde. Erlebnis Pur! Als Fahranfänger sind diese Trails vielleicht nicht
ganz so ideal. So schlängeln sie sich teilweise auch schon einmal ziemlich nah an einem steilen Abgrund entlang, haben viele technische Elemente wie Steintreppen
und Wurzeln und dienen eher dem erfahrenen Mountainbiker als Herausforderung. Klar, solche Trails gibt es im Harz und in den Alpen auch, aber eben nicht nur :).

Bikeparks

Wow! – die perfekte Möglichkeit an seinen Techniken zu feilen und einmal ordentlich zu üben! Sowohl während der Bike Transalp, als auch auf unserer Harztour hatte ich die Möglichkeit auf angelegten Bikeparks zu fahren, die in sich doch sehr unterschiedlich sind. Hier kann man richtig Spaß haben:
Anliegerkurven, Pumptracks, Sprünge – hier gibt es das ganze Programm und auch natürliche Hindernisse, wie Wurzeln, Steinpassagen etc. sind mit dabei
und wer nicht selbst hinauf fahren will, lässt sich eben per Gondel transportieren.

Indien ist da längst noch nicht so weit und bei der noch recht kleinen, doch stetig wachsenden Mountainbike-Gemeinschaft wird es wohl noch etwas dauern.
Obwohl die ein oder anderen Rundkurse schon gebaut werden.

Mountainbikes und Mountainbiker

In Europa scheint Mountainbiken ein sehr beliebter Sport zu sein und nicht wenige investieren ordentlich Euros in ihr Bike. Ich war überrascht, wie zahlreich mir Biker unterwegs begegnet sind. Ganz Europa scheint im Sommer auf ihren Rädern zu sitzen – ein richtiger Volkssport.

In Indien ist man da eher die Ausnahme und wird staunend angesehen, wenn man auf einem Mountainbike unterwegs ist. Ich, als Frau sowieso.

Wenn man in Indien auf einen weiteren Mountainbiker trifft, ist das etwas Besonderes. Höchst wahrscheinlich kennt man sich schon von verschiedenen Rennen
in Indien, zu denen oft die gleichen Teilnehmer kommen. Falls man sich doch noch nicht kennt, so werden Nummern ausgetauscht und man verspricht, in Kontakt zu bleiben.

Auch die Mountainbikes in Indien haben geringeren Standard. Der Sport an sich hinkt einfach noch ein wenig hinterher und man kann sich die ganz teuren Bikes eh
nicht leisten. Mangel an Wissen kommt hinzu.

Mountainbike-Rennen

Auch in Indien werden die Rennen immer zahlreicher und mittlerweile kann man bei guter Planung, fast jede Woche an einem anderen teilnehmen​. Dabei ist, anders als in Europa, die Konkurrenz deutlich geringer, Frauen gehen so gut wie keine an den Start. Das Preisgeld ist aber oft hoch! Besonders mehrtägige Rennen wie das MTB Himalaya oder MTB Arunachal locken auch viele Ausländer, die sich große Gewinnchancen ausrechnen dürfen.

Während eine Teilnahme von 100 Fahrern in Indien schon richtig hoch ist, haben mich die 650 Teilnehmer bei der Bike Transalp schon fast erschrocken und an den ersten Tagen musste ich erst einmal lernen, in einem größeren Feld zu fahren und ständig von Bikern umgeben zu sein. Bei einem Rennen in Indien kann es durchaus auch passieren, dass man stundenlang ganz alleine unterwegs ist.

Mountainbike-Touren

Geführte Mountainbike-Touren gibt es sowohl in Indien, als auch in Deutschland/Europa. Während die Überquerung der Alpen ein richtiger Klassiker ist, sind die Touren in Indien eher noch unbekannt und wohl spezieller, aber nicht weniger beeindruckend und sportlich, wie zum Beispiel der 500 km lange Manali-Leh Highway, die zweithöchste Höhenstraße der Welt.

Wer einen Trip in Europa gut organisiert und sich nicht davor scheut, sein Gepäck zu tragen, kann mithilfe von Internet, GPS, Karten und Wegweisern schöne Touren auf eigene Faust sicher von Ortschaft zu Ortschaft und ganz nach den eigenen Bedürfnissen durchführen. Unterkünfte für jeden Geschmack gibt es zu Hauf, ebenso Supermärkte und Gaststätten.

In Indien ist das alles nicht so einfach: Es gibt weder ausgeschriebene Mountainbike-Routen, noch Markierungen. Dörfer können mehrere (100) Kilometer auseinander liegen und, ob es dort eine Schlafmöglichkeit gibt ist ungewiss. Wobei man bei den gastfreundlichen Indern wohl immer einen Schlafsack und etwas Reis bekommen würde.

Wer nicht nur auf den Straßen unterwegs sein will, bucht sich lieber einen örtlichen Guide. Das ist nicht nur sicherer, sondern macht auch Spaß und ist verhältnismäßig günstig. Wer auch auf gutes Essen nicht verzichten mag, sein Gepäck nicht gern selber trägt und sich seinen Schlafplatz sicher sein will,
bucht eine Tour!

Fazit: Mountainbiken im indischen Himalaya hat noch etwas sehr ursprüngliches und wildes und es macht Spaß am Entwicklungsprozess teilzuhaben. Schon in den
wenigen Jahren, die ich in Indien lebe, hat sich so viel in diesem Sport getan!

Trotz der Anstrengung- die Landschaft ist überwältigend

Dennoch war es schön Mountainbiken auch in Europa erleben zu dürfen und eine große Inspiration für mich. Viele neue Ideen werde ich mit nach Indien nehmen und an meine Mountainbike-Kollegen vermitteln.

Dennoch freue ich mich schon bald wieder auf meinen „Kuh“-Pfaden in Indien unterwegs zu sein.