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Bike Transalp 2018- Ein Erlebnisbericht

Ursprünglich wollte ich jeden Tag von meinen Eindrücken während der Tour Berichten. Schon während der Etappen formulierte ich ganze Satzpassagen um meinen Erlebnissen später Ausdruck verleihen zu können.

Doch Pusteblume! Diese Idee war doch schwerer umzusetzen als gedacht. Nach sechs bis acht Stunden Mountainbiking in den Beinen wurde das Tagesziel erreicht und mein Erschöpfungspegel war doch etwas weiter oben. Grundbedürfnisse wie Essen, Essen und Essen mussten zunächst befriedigt werden. Dafür gab es im Ziel einen großen Expo Bereich, wo nicht nur die Stadt des Zielortes einen Stand hatte und Kuchen, Obst, Brötchen und Getränke ausgab, sondern auch andere Sponsoren des Rennens ihre Stände hatten.

Für mich bot dieser Zielbereich auch den idealen Rahmen um andere Ankömmlinge zu treffen, sich mit ihnen über die Etappe auszutauschen und ein wenig zu quatschen- nach einem ganzen Tag mit nur ein wenig Kommunikation auf dem Mountainbike eine schöne Sache. Vor allem, da nach jeder gemeisterten Etappe eine kleine Last bei mir abgefallen ist und meine Glückshormone  ein angenehmes  Zufriedenheitsgefühl durch den Körper schickten: Die Etappe war vorbei, nun darfst du genießen.

Tatsächlich steht nach der Etappe jedoch fast noch mehr Arbeit an als während des eigentlichen Rennens und so komme ich zu meinem zweiten Grund, keine täglichen Berichte geschrieben zu haben: Erst einmal muss sich in jedem Ort neu orientiert werden. Manchmal hatten wir Glück und alle Stationen wie Bike Wash (wo man die Fahrräder abspritzen kann), Bike Park (wo man die Fahrräder über die Nacht sicher abgibt), Expo Gelände (der Zielbereich), das Camp (meistens Turnhallen in denen einige Teilnehmer übernachten) und Pasta Party (die abendliche Veranstaltung mit Abendessen) lagen alle in einem Bereich.

Manchmal waren die Ortschaften jedoch etwas kleiner und gaben die nötige Infrastruktur dafür nicht her und so musste man nach Zielankunft und etwas Pause, hier und da hinlaufen.

Da mein Transalp Teampartner noch etwas organisierter und disziplinierter ist als ich (ich nenne es „deutsch“ sein) hatte er ein straffes Programm aus Fahrradwaschen, Fahrrad abgeben, zum Camp, dort duschen und Bettlager fertig machen. Erst dann waren wir im Prinzip frei.

Wenn man sich, so wie ich, dann noch mit Hinz und Kunz verquatscht und etwas später am Tag durch das Ziel kommt, ist dann eigentlich auch schon Zeit für das Abendessen.

Ein wenig hatte ich es bedauert, nicht einmal die Zeit und Energie gefunden zu haben, mir nach der Tagesetappe, den Zielort anzusehen, etwas zu bummeln und Eis zu essen. Nur am fünften Tag saßen wir tatsächlich einmal in der Altstadt in einem kleinen Ort im Vale del Sole in Italien. Ansonsten war ich auch einfach zu erschöpft, um für Sightseeing Energie aufzubringen. Außerdem diente mir als Entschuldigung, dass ich ja eigentlich den ganzen Tag im Rahmen des Rennens viel landschaftliche Eindrücke hatte und sogar bei der Fahrt durch die kleinen Bergorte etwas gesehen hatte.

Versuche ich nun doch etwas strukturierter an diesen Artikel zu gehen: Alles begann damit, dass Hinrich mich am Samstag um 5:30 Uhr vom Flughafen in München abholte. Er kam aus Hannover, ich frisch aus Delhi und schnurstracks gings dann weiter nach Lenggries, etwas südlich von München. Hier erwartete uns auch schon Radl Rasti in seinem grandiosen Fahrradladen. Rasti kennen Hinrich und ich vom Hero MTB Himalaya Rennen, welches er als bester Mechaniker der Welt betreut. Nun hatte er mir von einer gemeinsamen Freundin Christine ein Mountainbike organisiert, welches ich auf der Transalp nutzen durfte. Was für ein Geschenk! Es ist super aufwendig mit einem Fahrrad zu reisen und zudem auch super teuer es per Flugzeug zu transportieren (wenn man mit Lufthansa fliegt).

Rasti und Christoph, sein Azubi, hatten gut zu tun, nahmen sich aber dennoch die Zeit, mein Leihrad fit zu machen. Ich war richtig erleichtert. Wenn die beiden vorher ein Auge auf das Rad geworfen hatten, musste es im besten Zustand für das Rennen sein. Ich habe ja leider nicht viel Ahnung davon!

Nach einigen Stunden im Laden, hieß es Abschied nehmen und wir verabredeten uns für den nächsten Sonntag zum gemeinsamen zusammensitzen.

Ich nutzte Übrigens die Zeit im Laden dafür, meine ganzen neuen Erwerbschaften, die ich noch vor dem Rennen gekauft und zu Hinrich geschickt hatte, zu begutachten. Es war wie Weihnachten: Riegel, eine Sonnenbrille, neue Handschuhe und Fahrradschuhe! Ich hatte Glück, dass die Handschuhe wie angegossen passten- ansonsten ist es wohl keine gute Idee, Schuhe das erste Mal bei einem Rennen auszuprobieren.

Es ging für zwei Stunden weiter nach Imst, den Startort des Rennens.

Die meisten Bedenken machte ich mir nicht über das Rennen selbst. Sobald die erste Etappe starten würde, wäre ja alles organisiert und würde schon funktionieren. Ich machte mir eher einen Kopf, ob wir am Samstag vor dem Rennen alles organisiert würden bekommen. Den ersten Teil mit dem Flug von Indien, Abholung des Fahrrads und Erreichen von Imst hatte ja reibungslos geklappt. Nun standen die Akkreditierung, Parken des Autos, Umzug in das Camp und Packen der Transalp Taschen an. Als Transalp Teilnehmer bekommt man nämlich spezielle Taschen und nur diese werden von der Organisation weiter zur nächsten Station transportiert. Neben der Fahrradkleidung musste auch Platz für Riegel, Freizeitkleidung, Kosmetik, Matratze und Schlafsack Platz haben. Gar nicht so einfach zu entscheiden, was mitkommt und was eben nicht.

Bis darauf das die verschiedenen Anlaufstationen in ganz Imst verteilt waren und dies viel Fußmarsch hieß, klappte alles problemlos und Hinrich und ich schlossen den ersten gemeinsamen Tag mit einer Pizza ab. Während des Abendessens besprachen wir auch unsere Taktik. Nicht, dass wir irgendwelche ehrgeizigen Pläne hatten, ganz vorne zu fahren. Durchkommen war unser erklärtes Ziel. Da Hinrich und ich leitungsmäßig recht unterschiedlich sind (ich bin stark bergauf, er stark bergab), das Rennen, jedoch ein Teamrennen ist, wollten wir am ersten Tag versuchen zusammenzubleiben.

Erste Etappe Imst-Lauders

Nach einer ereignislosen Nacht in der örtlichen Turnhalle- bis auf ein paar Schnarcher passierte nicht viel- ging es zum ersten Frühstück. Dafür hatten wir extra Marken bekommen, die ich doch glatt für das erste Frühstück verlegt hatte. Na klasse.

Freundlicherweise gab mir ein Tischnachbar seine Marke und so kam ich trotzdem an meine zwei Brötchen mit Käse und Wurst- nicht wirklich ein Sportlerfrühstück! Hinrich und ich freundeten uns dann auch sofort mit Karsten (dem Frühstückssponsor) und Peter, seinem Teampartner an. Die beiden sind schon über 55 Jahre und kommen aus Berlin.

Während wir doch ziemlich entspannt frühstückten, fing es an zu regnen. Oho.. was für ein Start in ein siebentägiges Etappenrennen!

Aufgrund unserer hinteren Startnummern, starteten Hinrich und ich im letzten Blog. Auf den Weg vorbei an allen anderen Startern trafen wir ganz vorne auf Luis Pinto, ein portugiesischer Elite Fahrer, den wir schon vom MTB Himalaya Rennen kannten, das er drei Mal gewonnen hatte. Es ging also auch internationale Weltklasse an den Start.

Dennoch fiel die Teilnehmerzahl mit 320 Teams in diesem Jahr deutlich geringer aus als in den letzten Jahren, in denen bis zu 600 Teams teilnahmen.

Für mich waren jedoch schon 640 Teilnehmer eine gewaltige Zahl.

Der Startschuss fiel. Da wir jedoch ganz hinten starteten, kamen wir erst ca 5 Minuten später ins Rollen. Genug Zeit für ein letztes Foto und die GPS Uhren einzuschalten.

Mittlerweile hatte der Regen aufgehört und als wir die ersten Kilometer aus der Stadt fuhren, fühlte ich mich, wie bei der Tour de France, mit all den Fahrern vor mir.

Plötzlich überkam mich Freude und eine Leichtigkeit, die ich oft empfinde, wenn ich auf dem Fahrrad sitze. Ich genoss die Jubelrufe der Zuschauer und Hinrich neben mir machte zur Erheiterung des Publikums einige Wheelies.

Die erste Etappe bis nach Nauders war mit fast 90 km und 2300 Höhenmetern zwar ziemlich lang, jedoch technisch einfach, fast ohne Singletrails.

Am Anfang war es für mich nicht easy, mein Tempo zu finden. Bei so vielen Teilnehmern vor mir, schob sich das Feld immer wieder auseinander und zusammen. Außerdem war Hinrich etwas gemächlicher unterwegs, als ich. Ich fuhr etwas vorne weg und blieb immer mal wieder für ein Foto zwischendurch stehen. Die alpine Landschaft war grandios und ich liebte die kleinen Ortschaften durch die wir zwischendurch kamen. Bei den Verpflegungsstationen holte Hinrich dann entweder wieder durch seine rasanten Abfahrtskünste auf oder ich wartete etwas auf ihn. Dabei aß ich dann Wassermelone, Ananas und Kuchen und unterhielt mich etwas mit dem Organisationsteam.

Besonderes Interesse entwickelte ich für Motor Cross-Ärzte. Tatsächlich hatten wir ein ganzes Team aus Ärzten dabei, die die gleichen Strecken mit ihren Motorrädern abfuhren und so sofortige Erstversorgung bei einem Unfall etc. leisten konnten. Wahnsinn! So etwas fehlte uns in Indien.

Nach 7 Stunden trudelten wir in das Ziel, Hinrich fix und fertig, ich begeistert von der ersten Etappe!

Nach etwas Kuchen und Brötchen im Ziel ging es dann an die Arbeit: Bikewash, Bikepark, Camp.

Im Camp lernte ich zwei Brasilianer kennen und freundete mich sofort mit ihnen an! Mehr als 40 verschiedene Nationen nahmen dieses Jahr an der Transalp teil.

Da die Österreicher nicht ganz so auf Englisch eingestellt sind, half ich den Brasilianern etwas mit der Kommunikation. Später fuhren wir dann alle mit der Gondel zur Bergstation zur Siegerehrung und der Pasta Party. Morgen würden wir die gleiche Strecke mit den Fahrrädern bewältigen müssen- ohne Seilbahn.

Zweite Etappe Nauders -Livigno

Die Etappe von Nauders nach Livigno war über 102 km lang mit 3500 Höhenmetern. Diese Königsetappe würde die längste und härteste des ganzen Rennens sein.

Da es nicht nur viele Höhenmeter zu erklimmen galt, sondern auch einige technische Abfahrten dabei waren, machte ich mich von Anfang an allein auf den Weg. Unser Plan war es, dass ich zum Einen für mich testete, wie ich leistungsmäßig im internationalen Vergleich eigentlich so drauf war (ich hatte ja keine Ahnung, da ich in Indien als Frau im Mountainbiken ziemlich alleine da stehe), zum Anderen wollte ich für Hinrich dann im Ziel schon alles organisieren und das Camp herrichten, sodass er sich dann nur noch zu erholen brauchte.

Im Nachhinein betrachtet war diese zweite Etappe meine Lieblingsetappe. Sie hatte einfach alles zu bieten: Lange Anstiege, flowige Singletrails und eine tolle Landschaft!

Innerhalb eines Tages kletterten wir mit den Rad durch alle Höhenstufen, fuhren durch kleine Dörfer, entlang von zauberhaften Bergseen und reißenden Flüssen, durch Wälder und Wiesen auf denen riesengroße Kühe mit ihren läutenden Glocken weideten. So große Kühe gibt es in Indien nicht!

Klar, die Etappe war hart, aber ich mochte es und war bedacht darauf, mich unterwegs mit selbstgemachten Riegeln und bei den Verpflegungsstationen mit Kuchen und Obst gut mit Energie zu versorgen.

Die Trails und Abfahrten waren selbst für mich weitestgehend fahrbar. Das erste Mal in meinem Leben, war ich auf angelegten Bike Pfaden und ausgeschriebenen Bikerouten unterwegs- welch ein Erlebnis.

Der Anfang, der gleich mit einen langen zwölf Kilometer Anstieg begann war eine Herausforderung, weil ich ganz hinten startete und das Feld vor mir so dicht zusammen fuhr, dass ein vorbei kommen nur sehr schwierig möglich war. Aber mit der Zeit holte ich Fahrer um Fahrer ein :9.

Am Ende kam ich knapp unter 8 Stunden ins Ziel und erfreute mich an den Käse und Schinkenbrötchen und der Melone. Eine heiße Dusche und schon kam auch Hinrich ins Ziel- auch müde, aber eine starke Leistung. Er wurde eh von Tag zu Tag stärker, der Gute.

Wenn man erst nach 8 Stunden in das Ziel kommt, (also 17 Uhr), dann bleibt kaum genügend Zeit um alle Ziel-Arbeiten zu schaffen, geschweige denn sich zu erholen. Meine Beine schmerzten ganz schön und mit ein paar Dehnungsübungen und Selbstmassage, versuchte ich, meine Beine auf den nächsten Tag vorzubereiten.

Bis dato hatte ich nur daran Gedacht, die lange Königsetappe gut zu überstehen. Doch nun wurde mir bewusst, dass ja immer noch 5 Etappen auf mich warteten!

Immerhin hatte ich Glück, dass ich so gut mit dem Leihfahrrad inklusive Sattel so gut zu Recht kam. Ich und das kleine Fullsuspension Bike kamen super klar. Ok, es war nur ein 26er, etwas schwerer und ich hätte mir noch ein paar kleinere Gänge gewünscht. Doch ansonsten harmonierten wir beide Prima und waren bis zum Schluss ein super Team. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank nach Lenggries an Christine und Radl Rasti und Team!

Dritte Etappe Livigno – Bornio

Am Morgen wachte ich mit schweren Beinen, Müdigkeit und schlechter Laune auf. Mein Körper fühlte sich ganz und gar nicht danach, heute auf dem Fahrrad Leistung zu erbringen. Zudem hatte ich auch großen Respekt vor der 67 km Etappe: 22 km Singletrail sollte es heute geben- oho!

Ich beschloss die Etappe langsam und gemeinsam mit Hinrich angehen zu lassen. Ich wollte möglichst hinten auf den Singletrail starten, damit ich mein eigenes Ding fahren konnte und niemand groß im Weg war!

Die ersten Kilometer waren hart. Meine Beine fanden es gar nicht gut, wieder treten zu müssen. Doch nach 5 km, siehe da, ich war aufgewärmt und es lief wieder. Nach einer Schiebepassage erreichten wir den höchsten Punkt auf 3000 m Höhe. Kalt und windig war es hier oben. Und in einem Versuch etwas Luft aus meinem Hinterrad für eine bessere Abfahrt zu lassen, öffnete ich versehentlich das klemmende Ventil und der arme Hinrich musste in der Kälte auch noch pumpen!

Windjacken an und auf den Singletrail. Es handelte sich um einen angelegten Trail der Legende….mit Pumptrack und sogenannten Anliegerkurven. Anfänglich wusste ich diese künstlichen Kurven gar nicht zunehmen und rutschte sie eher runter, aber der gute Hinrich blieb hinter mir und lehrte mich das Anliegerkurven fahren und mit der Zeit machte es richtig Spaß diesen flowigen  Achtkilometer langen Pfad zu fahren.

Hinrich und ich bleiben den heutigen Tag zusammen und ich hatte viel Spaß, die tolle Strecke auf vorwiegend Pfaden sowohl abwärts als auch aufwärts zu fahren. Wir trafen auf viele Fahrradtouristen auf ihren (E-) Mountainbikes und ich war begeistert von diesen Radtourismus, der im indischen Himalaya noch so gar nicht existiert.

Alles in allem hatten wir heute eine tolle Mountainbike Tour durch eine wunderbare Alpenlandschaft. Am Abend traf ich dann Andrea Böttger und ihren Mann, die im Mixed Team auf dem zweiten Platz lagen und auch in diesem Jahr nach Indien zum Rennen kommen würden.

Die Camps wurden immer witziger. Heute schliefen wir auf künstlichem Graß in einer Tennishalle. Manchen war es zu sandig, ich fand es lustig. In der Nacht wurde es jedoch fast schon kalt- das Dach hatte eindeutig keine Isolation.

Insgesamt waren die Übernachtungen im Camp übrigens sehr angenehm. Ich hatte mir ja schon etwas Sorgen wegen der Massenunterkunft im Vorhinein gemacht, hörte ich doch Geschichten von überfüllten Camps, Schmutz, kalten Duschen, Gestank und nicht genügend Toiletten.

Doch aufgrund der geringen Teilnehmerzahl, waren wir auch nur 90 Mann (darunter vielleicht 7 Frauen) in den Turn- und Sporthallen. Außerdem hatten wir meistens nur gutes Wetter und mussten so auch nie groß Wäsche im Inneren der Halle trocken. Es gab von der Transalp Organisation auch einen kostenlosen Wäscheservice, den ich gern in Anspruch nahm.

Die Pasta Party mit Siegerehrung war so wie immer: Pasta mit Bolognese oder Tomatensauce, manchmal dazu einen Salat und Jogurt. Nicht wirklich gut, nicht wirklich abwechslungsreich, aber der Hunger treibt`s rein J. Für die Verpflegung sind die Zielstädte verantwortlich. Vielleicht sollten sie etwas besser gebrieft werden, denn nur Nudeln und Sauce sind auf Dauer kein gutes Sportleressen- Gemüse kam eindeutig zu kurz!

Vierte Etappe Bornio-Ponte de Legno

Von Bormio ging es heute nach Ponte de Legno und die Etappe verkürzte sich zum Vortag nochmals um 10 km auf 57 km.

Es war eine gute Etappe für mich mit einem langen Anstieg zum Passo Gavia, dann einen für mich und die meisten anderen unfahrbaren 3 km langen Singletrail hinab. Ich musste ihn fast ausschließlich laufen. Dieser SIngletrail ähnelte doch eher indischen Verhältnissen. Doch nur einige wenige konnten dieses technisch schwierigen Abschnitt meistern und so verlor ich nicht ganz so viel zeit, wenngleich ich doch bemerkte, dass ich sogar langsamer bergab schob als andere.

Ganz am Ende kam noch ein toller technischer angelegter Bikeparktrail. Leider war meine Konzentration und Kraft nicht mehr 100 %, sodass ich auch immer wieder absteigen musste, doch sicherlich wäre das der perfekte Übungstrail für mich.

Nach der heutigen Station hatten wir Glück und alle Stationen waren in einem Campus- also keine langen Laufwege. Unser Unterkunft war ein Sportstadion- ich sagte ja, es wurde immer besser.

Heute war tatsächlich auch die Pasta Party richtig gut mit viel Gemüse, Fleischbeilage, Suppe und…. Nudeln natürlich.

Fünfte Etappe: Ponte de  Legno – Vale del Sole

Die kürzeste Etappe der Tour nach Vale del Sole mit 50 km war tatsächlich ziemlich entspannt und wir erreichten erst- und einzigmalig das Ziel schon 14 Uhr :).

Natürlich gab es auch wieder einen intensiven Anstieg gleich zu Beginn. Der anschließende 8-Kilometer lange Singletrail auf einem Höhenweg machte mir jedoch Angst- rechts ging es steil hinab in die tiefe und obwohl der Pfad leicht befahrbar war, musste ich oft absteigen und schieben. Beim Blick in die Tiefe wurde mir ganz schummerig. Also überholten mich, wie auch schon in den letzten Tagen, all die Rennteilnehmer wieder, dich im Bergauf zuvor eingeholt hatte. Was soll’s, ich kam heil unten an, wenn auch etwas später. Eine andere Frau einer geführten Fahrradtour hinter mir hatte nämlich nicht so viel Glück und stürzte. Zwar konnte sie geborgen werden, aber ein Schock ist es dennoch.

Dann ging es fast nur noch bergab ins Ziel. Die Abfahrt war einfach und ich wurde immer schneller und schneller und dann kam auf einmal ein spitzer kleiner Fels- ich sauste darüber hinweg, machte einen Sprung, landete sicher und war ganz erfreut, diese kleine überraschende Aktion gemeistert zu haben, als ich auch nur 10 Meter weiter stehen bleiben musste: ich hatte einen Platten.

Ich stellte mich an den Rand und fing langsam an, den Reifen abzubauen und das Werkzeug herauszuholen, da kam auch schon Hinrich. Wenngleich auch einige andere Fahrer an mir vorbei fuhren und fragten, ob ich Hilfe benötigte, war es doch ganz nett, einen Partner zu haben. Schnell wechselten wir den Schlauch und rollten dann gemeinsam weiter in das Ziel.

Trotz kurzer Etappe war ich müde und nutzte den längeren Nachmittag für ein Nickerchen. So eine Mehrtagestour schlaucht doch ganz schön.

Durch den Mittagschlaf hatte ich dann am Abend tatsächlich noch genügend Energie um mit Karsten und Peter in der kleinen italienischen Altstadt Pellizzano zu sitzen und einen Café zu trinken- etwas, dass wir ansonsten nicht sehr oft gemacht hatten, dabei waren unsere Etappenorte so schön!

Sechste Etappe: Vale del Sole – Roncone

Die vorletzte Etappe des Rennens hatte es mit 80 km und 2800 Höhenmetern noch einmal richtig in sich. Einige knackige Anstiege gab es und ein paar sehr steile und später auch sehr schlammige Abfahrten, denn es begann zu regnen. Am Morgen vor der Etappe hatte ich hin und her überlegt, ob ich eine Regenjacke mitnehme oder nicht.

Die letzten Tage hatte ich immer eine dabei, bei schönem Sonnenschein. An diesem Tag nicht und es regnete. Doch der Regen war warm, also kein Problem. Blöd nur, dass die Trails im Regen nach 500 Bikern so rutschig werden, dass es kaum ein Halten gibt- also wieder Schieben und das fast bis in das Ziel.

Siebte Etappe: Roncone – Arco

Die letzte Etappe- Juhu! Dieses Mal hatte ich die Regenjacke mit und das war auch gut so, denn wir fuhren fast von Anfang an nur im Regen. Der Ehrgeiz war vorbei, die Müdigkeit überwiegte und für mich und Hinrich hieß es nur noch ohne Stürze und mechanischer Probleme in Arco am Gardasee ankommen. Tatsächlich mussten einige am Rand halten um vor allem Kettenrisse zu reparieren. Bei uns hielten die Ketten und so rollten Hinrich und ich zum Schluss durch die Olivenbäume und Weinreben bis über die Pflastersteine Arcos in das Ziel.

Juhu, wir und unsere Fahrräder hatten es geschafft!

Nachdem wir die Fahrräder gewaschen und beim Biketransport zurück nach Imst abgegeben hatten, hörte es tatsächlich sogar auf zu regnen. Hier am Gardasee konnte es ja richtig warm werden! Mit einem italienischen Eis in der Hand, schlenderten wir noch durch Arco, bevor es zu der letzten Pasta Party mit anschließender Abschlussparty ging.

Am nächsten Morgen nahmen wir dann den Organisierten Shuttle nach Imst in Anspruch um dann weiter nach Lenggries zu fahren und mein so treues Leihfahrrad wieder abzugeben.

Wieder ist ein Abenteuer zu Ende gegangen und was für ein schönes Erlebnis es wieder einmal war. Nicht nur weil ich eine tolle Tour durch die wunderschönen Alpen und viel Fahrspaß beim Bergauf und Bergab hatte, sondern auch, weil ich viele nette Menschen aus der ganzen Welt treffen konnte und wundervolle Freundschaften entstanden sind.

Fazit: Nächstes Jahr komme ich zur Bike Transalp für die Osttour durch die Dolomiten.

Ich muss immer noch an meinen Downhillfähigkeiten arbeiten.