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2 Wochenenden – 2 zweitägige Mountainbike Rennen im indischen Himalaya

Die Mountainbike Saison in Indien hat für mich mit dem Hero MTB Shimla und MTB Nainital Rennen begonnen

Mit gleich zwei intensiven Mountainbike Rennen im April konnte ich meine ersten intensiven und ernsthaften Trainingswochen auf Erfolg testen.

Obwohl ich schon seit Jahren in Indien an Mountainbike Rennen teilnehme, trainiere ich tatsächlich erst seit einem Monat etwas professioneller. Was früher gemütliche Mountainbike-Ausflüge waren, sind nun intensive Intervall- Trainings, Bergsprints, technische Trails und lange Ausdauerfahrten.

Ich war ganz schön überrascht, wie sich in den letzten Wochen mein Körper dem Training angepasst hat. So wurde ich physisch nicht nur stärker, sondern bemerkte schnell, dass mit einem intensiven Training, auch die Ernährung angepasst werden muss und Ruhephasen wichtig sind. zwei ganz neue Aspekte für mich.

Jedenfalls freute ich mich sehr, auf die zwei Rennen, die jeweils hintereinander an den letzten zwei Wochenenden statt fanden.

Denn indische Mountainbike Rennen, sind vielmehr als nur gewöhnliche Rennen. Vor allem, wenn sie mehrere Tage lang sind. Dann nämlich kommen Mountainbiker aus ganz Indien zusammen um nicht nur gegeneinander anzutreten, sondern vor allem in den Camps und Hotel gemeinsam eine gute Zeit in herrlicher Landschaft und mit gutem Essen zu haben.

Doch natürlich liegt das Hauptaugenmerk auf das Rennen selbst. Der indische Himalaya bietet herrliche Strecken, abseits der Straßen mit steilen Jeepisten, herausfordernenden Singletrails, kleinen Waldstraßen und, und, und… dabei ist die Landschaft mit kleinen Dörfern, Feldern, tiefen Wäldern und herrlichen Ausblicken besonders reizvoll. Dass auf einmal eine Kuh einem dem Weg versperrt oder dass jauchzende Kinder neben einen her rennen, damit darf gerechnet werden.

Das erste Rennen, war das Hero MTB Shimla. Es ist die zweitägige Mini- Version des neuntägige Hero MTB Himalaya Rennen.

Für mich ein ziemlich wichtiges Rennen. Nicht nur, weil ich es in den letzten zwei Jahren in der Frauenkategorie gewinnen konnte, sondern weil es von meinem Sponsor Hero Cycles hauptsgesponsort wird. Bis heute gibt es leider noch immer sehr wenige weibliche indische Mountainbikerinnen und die Konkurrenz ist dadurch sehr klein.

Das Hero Action Team

Mountainbiking ist ein teurer Abenteuersport an den sich viele Inderinnen entweder nicht trauen oder einfach aufgrund der gesellschaftlichen Stellung erst gar keinen Zugang haben. Die Frauen, die in Indien ein Mountainbike besitzen, stammen zumeist aus der privilegierten Oberschicht aus den indischen Großstädten und kommen durch Mangel an Training, kaum einen Berg hoch, geschweige denn herunter.

Dadurch, waren meine vorherigen Siege immer sehr eindeutig. Doch mit den Jahren, nimmt auch die Konkurrenz in Indien zu und man weiß nie, ob nicht doch auch die eine oder andere Mountainbikerin aus dem Ausland teilnimmt, so wie es der Fall beim MTB Himalaya Rennen ist.

Und tatsächlich: Auf der Teilnehmerliste stand nicht nur eine Teilnehmerin aus Südkorea, sondern auch aus den USA. Heidi ist mit ihren 51 Jahren zwar deutlich älter als ich, aber war immerhin schon zweifacher nationaler Champion! Auch die indische Mountainbikerin Poonam Rana wird zunehmend stärker und vor allem ihre Fähigkeiten in Downhill sind enorm. ich hatte also mindestens zwei ernst zunehmende Mitstreiterinnen und war mir meines Sieges alles andere als gewiss.

Heidi gefolgt von Poonam Rana

Insgesamt würden wir 8 Teilnehmerinnen sein. In Indien eine ordentliche Zahl für ein Mountainbike Rennen.

Preisgeld von ca 200 €, ein Fahrrad, sowie diverse Gutscheine für Reisen und Ernährung, machten den Sieg zusätzlich reizvoll.

Doch das Briefing für die nächsten Tage kündigte neben einigen langen und intensiven Anstiegen auch ebenso viele technische Abfahrten an. Wer mich kennt, weiß, dass meine Downhill Fähigkeiten recht begrenzt sind. Es würde also spannend werden.

Renntag 1 MTB Shimla

Renntag 2 MTB Shimla

An beiden Tagen würden wir ca 50 km mit jeweils 1600 bis 1800 Höhenmetern sowohl auf und ab bewältigen.

Start auf dem Zentralen Marktplatz in Shimla

Tatsächlich bestätigte sich gleich am ersten Renntag meine Vermutung: die Mädels hängten mich gleich bei der ersten recht technischen und langen Abfahrt ab, obwohl ich mich selbst gar nicht so schlecht bei der Abfahrt anstellte.

Also musste das Rennen wie üblich beim bergauf gewonnen werden. Und dass konnte ich.

Über Poonam machte ich mir keine Sorgen. Sie war nicht weit weg und hatte deutliche Probleme bei den steilen Passagen bergauf. Sie war eindeutig nicht im Training und so konnte ich sie nach wenigen Kilometern schnell überholen.

Ich mit den indischen Mädels Rubi und Poonam nachj der ersten Etappe

Doch wo war Heidi. Als ehemaliger Mountainbike National Champion war sie sicherlich auch bergauf recht stark. Zumindest hatte sie mir am Abend vorher erzählt, dass eines der Rennen, welches sie gewonnen hatte, mehr als 5000 Höhenmeter hatte!

Aber auch sie sah ich sehr bald vor mir und konnte auch sie bei der langen Auffahrt überholen.

Nun hieß es so viel Vorsprung wie möglich herausfahren- sowohl für die nächste Abfahrt, als auch für den morgigen Tag und für den Fall, dass ich eine Reifenpanne bekomme.

Das harte Intervall Training in den vorherigen Wochen hatte sich bewährt. Kräftig und rhythmisch trat ich in die Pedale. Es fühlte sich gut an. Bergauf war mein zuhause und ich konnte einige männliche Teilnehmer überholen. Selbst die Singletrails und die letzte Abfahrt machten Spaß und ich konnte das Rennen nun wirklich genießen. Immerhin war lag ich vorn rollte glücklich ins Ziel. Auf Platz 2 hatte ich einen fast einstündigen Vorsprung. Ich war erleichtert und freute mich auf den Nachmittag im Camp mit den anderen Rennteilnehmern. ich lag auf dem 10 Platz in der Gesamtwertung. bei über 90 Teilnehmern nicht schlecht.

Das Camp war wunderschön in einer herrlich grünen Apfelplantage gelegen mit wunderbare Sicht auf die umliegenden Berge. Wir genossen das reichhaltige Buffet, lagen in der Sonne und ließen den Tag am Lagerfeuer ausklingen.

Der nächste Tag startete mit etwas Aufregung: David, mein Teammitglied und momentan Erstplatzierter entdeckte erst 5 Minuten vor Start, dass er einen platten Reifen hatte. Nach einer etwas hektischen provisorischen Reparatur stürzten wir an den Start und dann direkt in das Rennen.

Oh je. Die Abfahrten an Tag Zwei waren nochmals anspruchsvoller. Mit viel losen Geröll, engen Kurven und steilen Passagen. Ich lag weit zurück. Doch Iris hatte ein mechanisches Problem und musste halten, sodass ich sie schon auf der ersten Abfahrt einholte. Poonam überholte ich bei der steilen Auffahrt.

Durch die langen und schwierigen Abfahrten kam ich nur schwer in das Rennen hinein und auch die Abfahrten waren zu kurz um weit vorn in der Gesamtwertung zu liegen. Dennoch überholte ich beim letzten Anstieg bestimmt noch 10 Fahrer und baute meinen Abstand zu den Mädels weiter aus. Ich hatte mein Ziel erreicht und konnte auch in diesem Jahr MTB Shimla für mich entscheiden. David gewann übrigens das Gesamtrennen.

Optimal lief die Woche zum nächsten Rennen nun wirklich nicht. Für unseren Sponsor, der eine neue Produktserie einführte, drehten wir an einem Werbefilm und hatten gleich im Anschluss zum Rennen 2 lange und Anstrengende Drehtage, die zwar Spaß machten uns jedoch nicht viel Erholung boten.

Drehtage in der Umgebung Shimlas

Hinzu kommt, dass die Reisewege in Indien lang sind. Die Einzelnen Gegenden liegen weit auseinander.

Im Volvo Bus- was entspannt aussieht, ist es nach 20 Stunden nicht wirklich mehr

Während das Rennen in Shimla im Bundesstaat Himachal Pradesh ein Heimspiel war (hier lebe ich zur Zeit) und keine Anreise nötig war. Dauerte die Fahrt mit zwei Bussen bis nach Nainital in den Bundesstaat Uttrakhand 20 lange Stunden.

Müde und ziemlich erledigt erreichten wir den Startort des zweiten Rennens am Morgen des Tages vor Rennstart.

Hier erwartete uns auch schon das nepalesische Team inklusive der zweitplazierten Nationalgewinnerin. Eigentlich hatte ich mich auf ein Rennen ohne weibliche Konkurrenz eingestellt gehabt und wollte das Rennen eher als Ausflug nutzen, aber ein hartes Rennen ist auch gut.

Der Tag vor dem Rennen bot uns jedoch nicht viel Erholung. Vielmehr bastelten wir an Davids Reifen herum, der Schlauchlose Reifen, ließ sich einfach nicht flicken und letzten Endes musste ein neuer gekauft werden.

Mittlerweile reisten mehr und mehr Teilnehmer aus allen erdenklichen Regionen Indiens an. Sehr spannend.

Renntag 1 MTB Nainital

Obwohl die Nepalesin mir auf den ersten 10 Kilometern des ersten Renntages ein hartes Rennen Kopf an Kopf bot, konnte sie dann bergauf nicht mithalten. Es war mein Glück, dass der erste Renntag bestehend aus 43 km, fast ausschließlich bergauf war und ich konnte wieder einen großzügigen Vorsprung erzielen.

Wir erreichten früh das Ziel und konnten so einen herrlichen Tag im schönen Nainital in einem alten ausgebauten britischen Gutshaus mit herrlicher Sicht auf den Nainital See verbringen.

David hat Schwierigkeiten am ersten Tag

Für David lief es leider nicht ganz so gut. Er kam einfach nicht in das Rennen hinein und schaffte es mit Mühe und Not auf den vierten Platz. Bei den Männern ist die Konkurrenz in Indien eben deutlich stärker und hier fuhren die besten aus ganz Indien mit.

Dennoch war er sehr motiviert und freute sich auf den nächsten Tag, wo er alles geben würde.

Ich blickte eher entspannt auf den zweiten Renntag. ich hatte einen komfortablen Vorsprung von 30 Minuten.

Renntag 2 MTB Nainital

Während David am Tag 2 davon flog und das Rennen von Anfang an dominierte, spürte ich meine schweren Beine vom Vortag. Dennoch gab ich mein bestes. Dann kamen lange, lange Singletrails. Die Pfade waren insgesamt 9 Kilometer lang. Es war keine Nepalesin weit und breit zu sehen und auch keine andere weibliche Rennteilnehmerin. Also fuhr ich die Pfade langsam und nutzte sie zur Übung. irgendwie war ich heute nicht im Rennfieber. Doch dann kam endlich der letzte Anstieg von 15 km und ich konnte wieder etwas Zeit in der Gesamtwertung gut machen und schaffte es auf einen 15. Platz.

David belegte mit einem weiteren platten Reifen kurz vor Ende des zweiten Tages, einen guten dritten Platz.

Nach einer langen Heimreise zurück nach Shimla, blicke ich auf zwei tolle Rennwochenenden zurück. Fast anstrengender als die Rennen selbst, ist die Reise dazwischen. Doch die herrlichen Routen, die vielen netten alten und neuen Bekannstschaften und die wunderbaren Landschaften machen solche Events zu unvergesslichen Erlebnissen.