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Über Reinigungsmethoden, Rituale und Kekse mit Chai

Zweite Woche der Yogalehrerausbildung in Rishikesh

Seit letztem Sonntag ist so viel passiert. Da ist es eine kleine Herausforderung, die letzte Woche mit Worten zu beschreiben. Ich durfte meinen achtundzwanzigstes Geburtstag komplett yogisch  verbringen, habe versucht, ein  meterlanges Baumwollband meine Kehle hinab zu würgen und starrte Minutenlang in die Augen meines Gegenübers. Ich erlebte eine  restaurative Yogastunde  und entdeckte dabei eine ganz neue Welt des Yogas für mich! Direkt am Ganges führten wir eine „ Ahnen-Heilungszeremonie“ durch und haben in einer uralten Höhle meditiert. In jeder morgendlichen Yoga Stunde mit unseren Guru (Lehrer) Vishva ji öffnen sich immer mehr Türen zu einem ganzheitlichen Yoga und zu mir selbst.

Die Tage sind lang und der englischsprachige Fachunterricht in Anatomie, Philosophie und Yoga-Techniken fordert mich, doch jeden Stundeninhalt  sauge ich mit großer Dankbarkeit auf. Ich lerne so viel hier. Am Ende des Tages bin ich oft sehr müde und kaum noch aufnahmefähig. Dann hilft nur noch das abendliche Kirtan Singen,  um mein Energielevel wieder anzuheben.

Ich entdecke gerade zwei Yoga- Seiten an mir, die in  meinem aktiven Sportlerleben bisher noch keine große Rolle gespielt haben: den sanften Yoga mit viel Pranayama, inneren Fokus und Meditation sowie Bhakthi Yoga, den Yoga des Herzens. Wenn wir am Abend zusammensitzen und gemeinsam die wunderbaren Lieder der hinduistischen Mythologie singen, geht tatsächlich mein Herz auf. Diesen Sonntag habe ich meinen erste Unterrichtsstunde im Harmonium spielen genommen und für mich ist es ein wunderbarer Ausgleich zu meinem physisch aktiven Leben nun ein Instrument zu lernen.

Mittlerweile habe ich mich vollends an den geregelten Ashramalltag gewöhnt. Während ich noch in der letzten Woche tagsüber starke Stimmungsschwankungen erlebte, bin ich nun weitaus mehr ausgeglichen, freue mich über die gute und sichere Gemeinschaft in unserer gemischten Gruppe. Auch die Mahlzeiten empfinde ich längst nicht mehr so pfad- ob es an dem Koch oder mir liegt, weiß ich nicht :).

Hier lebe ich ein Yoga, das alle Aspekte zu einem Ganzen integriert. Nicht nur, dass ich in dieser Yogalehrerausbildung neue Unterrichtstechniken lerne und meine zukünftigen Stunden mit neuem und umfangreichem Wissen in Philosophie und Anatomie füllen kann. Ich selbst erfahre hier auch eine tiefe persönliche Entwicklung. Ich spüre, wie die yogische Lebensweise mich zu einem freudvolleren, strahlenden und glückseligen Menschen macht.

Vischwa ji’s Unterrichtsweise ist einmalig und ich bin sehr dankbar, ihn als Lehrer zu haben. Schon allein der Morgen vor dem Frühstück ist mit Meditation, der Yoga Stunde und Feuerzeremonie so reich mit Energie, Einsicht, neuen Erkenntnissen und Erfahrungen angefüllt, dass das Erlebte für einen ganzen Tag reichen würde!

Genauso schön ist es, dass Vishwa ji uns hin und wieder eine kleine „Auszeit“ gönnt. So erlebten wir am Mittwochnachmittag anstatt einer Philosophie Stunde, ein entspanntes Picknick mit Samosa (indischer Snack) und Lassi an den Sandbänken des Ganges inklusive Sonnenuntergang, Kirtan und Geschichten von Vishwa ji. Vishwa liebt Geschichten und das Unterrichten in Metaphern. So erfahre ich von seiner Begegnung mit einem Tiger, davon, wie er seinen eigenen Guru gefunden hat oder, wie lange  ein Schüler in einer Asana verweilen sollte: Genauso lange, wie man einen Keks in einem Masala Chai (indischen Milchtee) lassen könne, ohne dass dieser zerbröselt. Aha.

Ich genieße diese traditionelle indische Unterrichtsweise, in der wir direkt von unserem Guru lernen sehr.

Auch wenn die fordernden Ausbildungstage hier nicht einfach sind, gibt es immer wieder geradezu überwältigende Momente. Nicht selten kullert  dann die eine oder andere Träne über meine Wangen und manchmal wird es auch ein Schluchzen. Doch viel öfter zaubert sich ein Lächeln auf meine Lippen, das sich zu manifestieren scheint! Ich lächle während der Asanas, in der Feuerzeremonie, beim Kirtan, den Mahlzeiten, wenn ich in der Gruppe bin….

Dennoch sehnte ich dieses Wochenende geradezu herbei, einfach um wieder irdisch auftanken zu können, Zeit mit mir „selbst“ (was auch immer das ist :)) verbringen zu können und mich für die vielen Geburtstagswünsche bedanken zu dürfen!

Namaste