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Meine Oma macht jetzt Yoga

Yoga für Senioren

Meine Mama macht Yoga schon solange ich denken kann. Als ich 14 Jahre alt war, hat sie mich dann einmal zu einem Yoga-Wochenende mitgenommen. Da hatte ich Yoga noch nicht wirklich verstanden. Aber Spaß machte es mir allemal. Ich mochte es, verrückte Dinge mit meinem Körper zu machen, liebte den Kopfstand und die schöne Atmosphäre. Als es bei den Stunden jedoch zu Atemübungen, Meditation  und Entspannung kam, wusste ich immer gar nicht, was gerade passierte. Plötzlich saßen alle einfach nur da und taten scheinbar für eine ganze Ewigkeit lang nichts.

Mittlerweile bin ich 27 Jahre, lebe in Indien, habe eine regelmäßige Yogapraxis, bin mehrfach ausgebildete Yoga Lehrerin, liebe Pranayama und verstehe Meditation sehr wohl.

Während der Wintermonate komme ich immer für eine gewisse Zeit nach Deutschland, um Zeit mit meiner Familie und Freunden zu verbringen.

Als mir meine Oma bei einem dieser Besuche ankündigte, sie würde jetzt auch einmal die Woche Yoga machen, mochte ich die Idee, war aber zugleich auch etwas überrascht. Sich als 79-jährige auf ein solches Abenteuer einzulassen, ist schon ganz schön mutig. Und Yoga kann zu einem sehr großen Abenteuer werden!

Etwas Bewegung, Kräftigung und Dehnung würde ihr aber sicherlich gut tun und wenn sie zusätzlich lernt, sich aktiv zu entspannen, um so besser!

Natürlich wurde meine Oma mit heranrücken des ersten Termins etwas nervös und ich beschloss, sie bei ihrer ersten Stunde zu begleiten. Zu mal mich Yoga für Ältere selber neugierig machte, hatte ich auf diesem Gebiet doch keine große Erfahrung.

Doch zunächst mussten wir sie erst einmal passend kleiden. Wir suchten ihr Leggings heraus, fanden eine schöne Decke für die Endentspannung und sie zog sich schöne warme Wollsocken an, die ich ihr einmal aus Indien mitgebracht hatte. So fühlte sie sich wohl und ihre erste Yogastunde konnte beginnen.

Gleich wurden wir von Jana, der Yogalehrerin, freundlich begrüßt und natürlich waren wir auch sofort beim „Du“ und sprachen uns mit unseren Vornamen an. Unter Yoga-Praktizierende ist das ganz normal, für meine gut erzogene Großmutter, eher ungewöhnlich.

Es brachte mich zum Schmunzeln, wie sie leise die Vornamen der anderen Schülerinnen, die sie gerade genannt bekommen hatte, vor sich her murmelte, um sie sich einzuprägen. Einige der Teilnehmerinnen kannte sie ja schon jahrelang- jedoch bis gerade eben nur per „Sie“!

Als ich zu meiner Oma in den Yoga Raum kam, hatte sie schon ihre Yogamatte ausgebreitet und verkündete mir Stolz, dass sie gerade schon gelernt hätte, auf welche Seite die Yogamatte auszurollen sein.

Ich selbst stellte ihr noch ein Stuhl dazu und legte ihr ein Sitzkissen hin und machte mir heimlich ein wenig Sorgen, ob meine Oma es überhaupt auf die Matte schaffen würde. Eigentlich hatte ich Stuhl-Yoga vermutet. Denn bei meinem letzten Versuch mit ihr Übungen bei sich zuhause auf dem Boden zumachen, blieb sie im Sessel und meinte, auf den Boden käme sie schon lange nicht mehr!

Doch die anderen Yoga Schülerinnen hier im Raum, waren alle doch etwas jünger und saßen fast alle auf ihren Matten.

Oma setzte sich dennoch auf den Stuhl und für die Erwärmung mit Nackenbewegungen und Handgelenkskreisen machte sich der Stuhl auch wirklich gut.

Doch dann ging es auf die Matte. Zunächst nur in eine Steh-Übung- dem Berg. Sie lernte, sich gerade aus sich selbst aufzurichten und ihr Gewicht gleichmäßig auf beide Füße zu vereilen. Als ich zu ihr herüber schielte, staunte ich nicht schlecht. Sie ließ sich komplett auf die Anleitungen der Yogalehrin ein und schloss nun sogar ihre Augen. Das hatte sie sich bei den Anfangsübungen auf den Stuhl noch nicht getraut.

In ihrer etwas engeren Yogakleidung, wirkte sie schon recht zierlich und zerbrechlich, gerade im Vergleich zu den anderen, war sie einfach eine Nummer kleiner.

Mit der Balance-Übung dem Baum hatte sie dann schon ein wenig mehr Schwierigkeiten und wurde etwas gefordert. Doch diese Herausforderung bestand sie mit Bravur und tat ihr richtig gut.

Dann ging es hinab auf die Matte. Darin, dass sie nicht mehr auf den Boden kommen würde, hatte sie sich und mich wohl getäuscht. Im nu war sie auf allen Vieren! Wir wechselten von den Knien im Vierfüßlerstand, zur Kindshaltung, machten die Katze-Kuh-Bewegung, kamen aus der Liege-Position in eine Brücke, machten Atemübungen und gingen zum Schluss sogar in den Hund!

Ich war sehr überrascht! Hier wurden richtige Asanas praktiziert und meine Oma machte alles mit. Zugegeben, es waren einfache Asanas und sie wurden auch nie lange gehalten, doch es wurde von seiten der Yogalehrerin auf eine gute Ausrichtung geachtet und für jeden Schüler gab es die passenden Hilfsmittel um die jeweilige Übung so angenehm und passend wie möglich zu gestalten. So wurde meiner Oma in der Kindshaltung ein Kissen unter dem Po geschoben und weil sie Probleme mit ihren Händen hat, machte sie die Katze-Kuh-Bewegung einfach mit Fäusten.

Ich assistierte meiner Oma etwas, richtete sie hin und wieder ein bisschen aus, doch war hauptsächlich über ihre korrekte Ausrichtung sehr angetan!

Dass meine Oma gleich in ihrer ersten Yogastunde im Hund stehen würde, hätte ich nie für möglich gehalten.

Zum Abschluss der Stunde hieß es für ein paar Minuten Entspannung in der Rückenlage und zum Schluss verabschiedeten wir uns mit einem Namaste. Sogar Oma ließ sich darauf ein und brachte ihre Hände für den Abschiedsgruß zusammen und verkündete mir nach der Stunde, wie sehr es ihr gefallen hätte und das sie ja auch einige Übungen schon aus der Physiotherapie kannte!

Sie sei nun richtig entspannt und musste bei der Endentspannung sogar etwas aufpassen, nicht einzuschlafen!

Ich freute mich darüber, dass sie sich so gut auf die Stunde eingelassen hatte. Für sie war es ein ziemlich großer Schritt aus ihrer Komfortzone: Neue Menschen, neue Begriffe und dazu auch noch Übungen auf dem Boden!

Doch so ein Schritt in das Unbekannte tut gut und macht stolz. Heute hat meine Oma nicht nur viel Neues gelernt und ihren Körper etwas Gutes getan, sondern geht nun auch wieder etwas aufrechter durch die Welt und strahlt Zufriedenheit aus. Und das nach der ersten Stunde.

Unterrichtet wird meine Oma übrigens von Jana Lustig aus Mecklenburg Vorpommern. Sie ist zugleich Physiotherapeutin und legt daher sehr viel Wert auf eine korrekte Ausrichtung. Mehr über sie und ihre Yogakurse erfahrt ihr hier.