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Mit unserem Fahrer unterwegs durch Rajasthan

Eine Rajasthan-Rundreise mit eigenem Fahrer

Kundan, unser freundlicher Fahrer

Kundan, unser freundlicher Fahrer

Es ist August. Trotz Monsunzeit ist es heiß. Hier mitten im nirgendwo in der Wüste Tharr zwischen Jaisalmer und Jodhpur in Rajasthan. Doch von den 35°C  bekommen wir in unserem Innova Toyota  nichts mit. Gemütlichen sitzen wir im Fahrzeug, lassen die Wüstenlandschaft an uns vorbei ziehen und lauschen dabei Kundans Geschichten von indischen Pilgern, Tempeln und Königen. Denn soeben sind wir durch den kleinen Pilgerort Ramdevra gefahren und Kundan hat uns zu diesem Ort viel zuerzählen.

Fahrt durch die Wüste Tharr

Fahrt durch die Wüste Tharr

Nebenbei bietet er uns kleine gelbe Früchte an, die er am Straßenrand gekauft hat. Sie schmecken sehr süß und irgendwie kommt uns der Geschmack bekannt vor, aber so richtig können wir dieses Obst nicht einordnen. Kundan versucht zuerklären, kennt den Namen aber selbst nur in Hindi.

Toilettenstopp. Kundan weiß, wo man als „westlicher Tourist“ gut auf Toilette gehen kann, nämlich da wo es sauber ist, es Seife und sogar Toilettenpapier gibt. Während wir drei uns erleichtern ist Kundan schon wieder in Aktion. Als ich wieder komme, telefoniert er noch und ich höre nur, wie er immer wieder das Wort „ date“ wiederholt.

Er sieht mich und strahlt mich an. Das Obst heißt „ date“, also Dattel, eben gerade hat er seine Tochter angerufen und nach der Übersetzung gefragt!

Kundan ist unser Fahrer für unsere zweichwöchige Tour durch Rajasthan und wir drei Reisende sind alle überzeugt, dass wir mit Kundan wohl den besten Fahrer der Welt abbekommen haben.

Kundan ist freundlich, weiß unglaublich viel über Kultur und Geschichte seiner rajasthanischen Heimat, fährt sehr sicher und ruhig, pflegt sein Auto mindestens so gut wie sich selbst und versucht alle unsere Wünsche zu erfüllen.

So empfiehlt er uns sehr gute und preislich angemessene Restaurants, begleitet uns zu Tempeln und anderen Sehenswürdigkeiten und wartet immer pünktlich in seiner strahlend weißen Fahreruniform mit einem ebenso strahlendem Lächeln.

Während der Zwei Wochen wird Kundan zu einem treuen Begleiter und wird uns nicht nur ein guter Freund, sondern ist auch der ideale Reiseführer. Schon seit über 20 Jahren ist der vierundreißigjährige Familienvater als professioneller Fahrer unterwegs. Kundan kennt sich aus. In ganz Indien, aber eben ganz besonders gut in seiner Heimat Rajasthan.

ländliches Rajasthan

ländliches Rajasthan

Ursprünglich kommt Kundan aus einem kleinen traditionellen Dorf aus der nähe von Jodhpur. Hier hat er seinem Vater bei der harten Feldarbeit als Junge geholfen, zur Schule ist er nie gegangen. Lesen und schreiben hat er nie gelernt, dennoch funktioniert die Kommunikation über Whatsapp mit ihm, denn seine Tochter hilft ihm. Nachdem er seine heutige aus einem anderen Dorf geheiratet hat, sind sie in die rajasthanische Hauptstadt Jaipur gezogen.

Amber Fort nahe Jaipur

Amber Fort nahe Jaipur

Hier leben seine Frau mit seinen beiden Kindern und wenn immer er ein paar Tage zwischen seinen Touren hat, kommt er nach Jaipur. Oft sind es nur 1- 2 Tage mit Wochenlangen abständen. Doch anders geht es eben nicht. Sein Beruf macht ihm Spaß und er kann seinem achtjährigen Sohn Raj und seiner dreißzehnjährigen Tochter Mahi eine Ausbildung auf einer Privatschule ermöglichen. Das ist ihm wichtig und erfüllt ihn mit Stolz.

Das Kundan weder Lesen noch Schreiben kann, geht mir nicht aus dem Kopf. Sein Englisch ist ziemlich gut. Na klar, nach jahrelanger Arbeit mit ausländischen Touristen hat er natürlich viel gelernt. Aber wie weiß er denn nur wohin er fährt, wenn er die Straßenschilder nicht lesen kann?

Das sei kein Problem, mein Kundan. Er kennt alle Straßen, er weiß die genauen Entfernungen, Abkürzungen, schönsten Strecken und alle Städte mit ihren Sehenswürdigkeiten. Kundan kann einfach seinen Job.

In Jodhpur angekommen werden wir zum ersten Mal so richtig mit den Monsun konfrontiert. Es regnet ununterbrochen stundenlang. Straßen stehen unter Wasser, es tropft durch die Zimmerdecken und natürlich ist Stromausfall. Während wir gemütlich im Restaurant sitzen und dem Regen zuschauen, kämpft Kundan gegen den Regen. Das Wasser läuft durch die Autotüren hinein, ein großes Unglück für Kundan, dessen Auto doch sein wichtigster Besitz ist.

Monsunzeit in Indien

Monsunzeit in Indien

Doch Kundan schlägt sich tapfer. Am nächsten Tag ist er wieder pünktlich zur Stelle in weißer Uniform und strahlendem Lächeln und von dem kleineren Unglück erkenn man nicht mehr viel. Das Auto ist lediglich mit Zeitung ausgelegt, denn der Fußboden ist noch etwas feucht.

Weiter geht es nach Udaipur- zur romantischsten Stadt Indiens. Wir fahren eine andere Route, denn die „normale Straße“ steht noch immer von dem Starkregen unter Wasser. Hin und wieder kommen tatsächlich heftige Schauer. Von einem Moment auf den Nächsten regnet es so stark, dass man kaum noch etwas sehen kann. Die auf Hochtouren laufenden Scheinwerfer scheinen kein Wirkung zuhaben, so als würde jemand ganze Wassereimer über uns auskippen.

Doch Kundan fährt zwar langsam, doch immer noch sehr sicher weiter und dann hört der Schauer auch schon wieder auf und wir halten an einem sehenswerten Tempel. Kundan parkt und steigt mit aus. Er möchte den Tempel mit uns besuchen und zeigt uns, wie man sich in den heiligen Hallen der Hindus verhält.

Udaipur

Udaipur

Als wir in Udaipur ankommen, ist es an der Zeit, sich von Kundan zuverabschieden. Es ist kein leichter Abschied von unserem treuen Begleiter, der uns so sicher mehr als 2000 km durch Rajasthan gefahren hat und einen tiefen Einblick in die Kultur und Lebensweise der Menschen hier gegeben hat.

Bei unserem nächsten Besuch sind wir bei seiner Familie in Jaipur eingeladen. Wir freuen uns darauf!