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Holger Schaarschmidt über das Hero MTB Himalaya Rennen

Vor zwei Jahren durfte ich den Mountainbiker, Abenteurer und Weltreisenden Holger Schaarschmidt während des Hero MTB Himalaya treffen. Holger war mir nicht nur auf Anhieb sympatisch sondern konnte das Rennen sogar mit einem grandiosen 5. Platz abschließen. Damit Renn-Interessierte nicht nur von mir als „Hobby Mountainbikerin“, sondern auch von einem Profi eine Idee vom neuntägigen Rennen im indischen Himalaya bekommen, gibt es hier ein Interwiev mit Holger. Für alle MTB-Himalaya Interssierten bietet Chalo! Reisen übrigens ein Rundum-Sorglos Paket inklusive dreitägiger Trekking Tour und Besuch des Taj Mahals an.

Hallo Holger, kannst du dich kurz vorstellen?

Mein Name ist Holger Schaarschmidt. Geboren und aufgewachsen bin ich im Westen Sachsens, genauer gesagt im Muldental, dem Tal der Burgen. Dort gab es zwar Hügel, aber keine Berge. Auch wenn man sie dort so bezeichnet. Nichtsdestotrotz habe ich seit frühester Kindheit die Freiheit und die Unabhängigkeit entdeckt, die mir das Mountainbike bietet und jeden Hügel und jedes Tal mit dem Bike erkundet.

Mit Anfang zwanzig habe ich entschieden einen allgemein anerkannten seriösen Lebensweg einzuschlagen. Studium der Versorgungs- und Umwelttechnik. Diplom-Ingenieur. Bürojob. Den Ausgleich gab es bei ausgedehnten Bike-Touren, Punkrock-Konzerten und einigen Reisen. Schnell wurde mir klar, dass mir etwas fehlt. Ein Nebenjob bei dem Bike-Reiseveranstalter ULP Tours sollte anfangs einen Ausgleich bieten. Der Beginn eines Nomadenlebens.  Ich hatte einen Job gefunden, in dem ich meine Leidenschaft für´s Draußen sein und Biken an andere Menschen weitergeben und die Freude daran vermitteln konnte. Der seriöse Job als Planungs-Ingenieur war bald gekündigt, die WG in Leipzig geräumt und auch der Plan für die Bike-Alternative im Winter klar. Ski- und Snowboardlehrer. Die optimale Kombination. Seit nunmehr 8 Jahren arbeite ich im Sommer als Guide für Mountainbike-Reisen und im Winter als Ski- und Snowboardlehrer. Da ich mir die Arbeit frei einteilen kann,  bleibt viel Freizeit. Meinen Traum die Welt mit dem Bike zu entdecken, wurde wahr. Immer wieder nehme ich mir eine Auszeit von mehreren Wochen oder Monaten um die verschiedensten Regionen der Welt zu entdecken. So habe ich bereits Reisen mit dem Rad durch Europa, China und Südostasien, Nordafrika, die Anden in Peru und Bolivien sowie eine Reise durch Zentralamerika unternommen. Ein absolutes Highlight in meinem Leben, wenn auch keine typische Radreise, war das MTB-Himalaya-Rennen in Nordindien!

 

Du warst ja ziemlich weit vorn im Hero MTB Himalaya Rennen, insgesamt auf Platz 5 und einmal sogar Platz 3 bei einer Etappe. Wie hast du dich auf das Rennen vorbereitet und was für ein Training empfiehlst du Rennteilnehmern?

Schwierig zu beantworten. In meinem Job sitze ich tagtäglich auf dem Bike und trainiere somit permanent meine Grundlagen-Ausdauer. Wer es sich in irgendeiner Art und Weise einrichten kann, sollte seinen tägliche Arbeitsweg beim Wind und Wetter mit dem Fahrrad zurücklegen. Fahrt Höhenmeter und trainiert eure Fahrtechnik, um selbstsicher zu werden. Die Trails sind teilweise anspruchsvoll und ein Sturz in Indiens Bergwelt folgenreicher sein als z.B. in den Alpen, wo die Rettung perfekt durchorganisiert ist. Vergesst aber auch nicht Ausgleichssport! Geht Laufen, am besten Bergläufe, Kraft-Ausdauer-Training, egal…alles was euch in Bewegung hält.

Inwiefern unterscheidet sich das MTB Himalaya Rennen von der Bike Transalp oder anderen Rennen an denen du teilgenommen hast?

Hauptunterschied ist vor allem das familiäre Umfeld. Jeder Teilnehmer ist gleich – egal ob man Profi oder Hobby-Fahrer ist. Man schläft jede Nacht im Zelt. Das Essen ist der Wahnsinn! Leckeres für jede Mahlzeit frische zubereitete typisch regionale Gerichte. Die Bauern des jeweiligen Etappenortes liefern die Zutaten.  Für etwa 80 Fahrer steht ein ebenso starkes Support-Team zur Verfügung. Jeder kennt jeden. Sowohl im Fahrerfeld, als auch bei den Helfern. Auch das Konkurrenzverhalten beim Rennen war anders als z.B. bei einer Transalp oder Trans-Schwarzwald. Zwar haben alle Teilnehmer alles gegeben, jedoch gab es nicht die typischen Gerangel. Das liegt natürlich auch am schmalen Fahrerfeld. Das ganze Umfeld ist sehr persönlich. Man kommt als Teilnehmer und geht als Freund bzw. Teil der Familie.

Du treibst dich relativ viel mit dem Mountainbike in den Alpen herum. Kannst du für die Leser kurz einmal die Unterschiede des Mountainbiken in den Alpen und im indischen Himalaya herausstellen(landschaftlich, Strecken, Level, Infrastruktur etc.)

Der erste offensichtliche Unterschied ist die Kultur. Andere Menschen, andere Lebensweisen, andere Architektur, die Armut am Land, ein anderes Verständnis für den Umgang mit der Umwelt. Am meisten wird dem europäischen Teilnehmern der Müll auffallen, der allgegenwärtig ist und natürlich die gewaltige Kluft im Wohlstand der Bevölkerung auf dem Land vergleichen zu den Zentren der Städte. Der Unterschied zwischen Biken in den Alpen und dem Himalaya ist nicht gewaltig. Ein alter Maultierpfad oder Verbindungsweg zwischen zwei Bergdörfern sieht in den Alpen genauso aus, wie im Himalaya. Überraschenderweise ähnelt sich sogar teilweise die Vegetation in den Hochlagen. Ausgedehnte Kiefernwälder erinnern an Regionen der Alpen. Einen tollen Kontrast dazu  bietet dann das Wildlife…statt Murmeltieren springen Affen über die Straßen und in den Tal-Lagen hat man von ariden Kakteen- und Strauchlandschaften bis zum feucht-tropischen Regenwald alles dabei. Inklusive Geschrei in den Wipfeln, grellen Farben und dem Duft nach feuchtem Humus und Wald. Weiterhin sind die meisten Alpentäler eher eng und die Gipfel schroff. Die Region des Rennens hat viele weite Täler.

Die Infrastruktur kann man nicht wirklich vergleichen. Die Alpen sind die am besten touristisch ausgebaute Bergregion der Welt. Egal wohin man kommt, in mehr oder weniger unmittelbarer Nähe gibt es Hütten die Touristen versorgen oder Dörfer mit Versorgungsmöglichkeiten.  In Indien gibt es das nicht in dieser Form.

Was hat dir am Hero MTB Himalaya besonders gut gefallen?

Das familiäre Umfeld, die interessante Kultur, freundliche Menschen, die abwechslungsreiche Strecke, schöne Trails und das Camp…wir hatten zum Glück nur tolles Wetter.

Womit hattest du deine größten Schwierigkeiten?

Keine Ahnung…eigentlich nur mit der Ersatzteile-Beschaffung…doch man ist hier gut im Improvisieren…deshalb gilt, vor dem Rennen genug Material mitbringen… v.a. Schläuche. Da hatte ich den größten Verschleiß.

Wie waren deine Erfahrungen bzgl. Wechselnden Camps während des Rennens Wie bist du mit der Übernachtung im Zelt, Duschzelten etc. zurecht gekommen?

Mußestunden im Camp

Super. War oft vor dem Camp-Aufbau-Team da. Trotzdem wurde schon gekocht und sich um die Teilnehmer und das Team des Camp-Support-Teams gekümmert. In der Zwischenzeit hat man ausgespannt, sich mit den Locals oder den Schülern und Lehrern der Lokalen Schulen ausgetauscht. Wer Luxus erwartet, wird sicher in den Camps enttäuscht sein. Wer ein authentisches Erlebnis sucht, ist genau richtig.

Welche besonderen Vorbereitungen erfordert es für eine Mountainbike Reise/Rennen nach Indien (Impfungen, Reisegepäck)

Informationen zu den notwendigen Impfungen erhält man beim Tropeninstitut oder dem Auswärtigen Amt. Wer viel reist, sollte da ohnehin bereits gut vorbereitet sein. Um sorgenfrei überall Wasser trinken zu können, nimmt sich Micropur von Katadyn mit. Ansonsten ist der Transport von Bikes etwas planungsintensiv. Beim Transport mit dem  Bus auf jeden Fall abklären, ob das Rad mitgenommen wird. Am besten in Versandkarton oder Bike-Reise-Koffer transportieren. Damit vermeidet man eventuelle Defekte.

Dein schönster Moment während des Rennens/der Reise in Indien?

Die Begegnungen mit den Menschen abseits des Rennens. Die kleinen Erkundungstouren durch die Orte und die nahen Berge im Sonnenuntergang und der Blick aus der Ruhe heraus auf das bunte Treiben im Camp.

Wie hat dir Indien als Reiseland gefallen? Bist du interessiert wiederzukommen und wenn  ja, wohin wird es dich dann ziehen?

Ich verstehe die Frage nicht 😉 Natürlich komme ich wieder. Das ist nicht nur ein Rennen, es ist mehr ein Treffen mit Freunden zum Biken in einem wundervollen Land. Wohin? Naja…ich mag die extreme Hitze einfach nicht…deshalb nur in die Berge …nach Nord-Indien.