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MTB Himalaya- Ein mehrtägiges Mountainbike Etappen Rennen im indischen Himalaya

Hero MTB Himalaya

Ich kann es nicht lassen. Es gibt einfach diesen unschlöschbaren Durst in mir nach Abenteuer, Natur, Bergen, Erlebnis und körperlicher Herausforderung. All diese  Bestandteile und noch soviel mehr beinhaltet das knallharte neuntägige Hero MTB Himalaya Mountainbike Rennen, an dem ich schon im letzten Jahr teilgenommen hatte.

MTB Himalaya

Damals wusste ich nicht, welch enorme Herausforderungen auf mich zukommen würden und die Kombination von annähernd 100 Kilometern täglich und technisch anspruchsvollen Routen mit mehreren 1000 Höhenmetern über mehrere Tage hinweg hat mich sowohl an meine physischen, als auch psychischen Grenzen gebracht.

MTB Himalaya

Ich bin keine wirkliche Mountainbikerin, sondern liebe es einfach mit meinem Fahrrad auf und ab durch die beeindruckende Himalaya-Bergwelt zukurven. Bergauf kann ich ewig lang fahren, doch kommt es zu technisch anspruchsvollen Singletracks, bin ich oft die Erste, die absteigt und schiebt.

MTB Himalaya

Dennoch bin ich damals durchgekommen und konnte das Rennen letzten Endes sogar richtig genießen. Wie gesagt, ich mag es, wenn ich körperlich gefordert bin. Und das wurde ich beim letzten Mal über meine Vorstellung hinaus.

Doch neben dem eigentlichen Rennen, hatte ich im September 2015 einfach eine so wunderbare Zeit. Ich liebte die täglichen Camps, die tolle Verpflegung und ganz besonders die Menschen vorort.

Neben einigen Mountainbike Laien wie mir, fuhren tatsächlich mehrheitlich ambitionierte Fahrradgrößen wie Luis Pinto aus Portugal, Andi Seewald aus Deutschland und Catherine Williamson aus der UK mit. Bereitwillig teilten sie mit mir ihre Erfahrungen und ich schloss nicht nur wunderbare Freundschaften, sondern lernte auch unglaublich viel in Sachen Fahrtechnik, Ernährung und Ausrüstung.

MTB Himalaya

Das Rennen im letzten Jahr war also im jeden Fall ein Erfolg. Vorallem, weil ich durch kam.

Die Monate vergingen. Ich war mit meinen Touren durch Indien beschäftigt, unterrichtete Yoga und nahm auch hin und wieder an einem kleineren Rennen in Indien teil, die ich in der Frauen Kategorie sogar gewinnen konnte.

Doch zu einer weiteren Teilnahme am Hero MTB Himalaya 2016 konnte ich mich nicht entscheiden. Klar, ich hatte eine großartige Zeit. Doch Zeit zum trainieren fand ich keine, kleinere gesundheitliche Probleme schwächten mich und mein einfaches Trek 4500, mit dem ich im letzten Jahr teilnahm, war nicht nur in einem ziemlich schlechten Zustand, sondern auch einfach zu schwer. Dieses Jahr würden mehr Profis mit ihren Top Mountainbikes teilnehmen, diese Blöße wollte ich mir nicht geben.

MTB HImalaya

Doch dann kündigten sich interessante Neuigkeiten an, denen ich nicht widerstehen konnte. Zum Einen wurde die Route komplett neu überarbeitet und das Rennen sollte dieses Jahr in Shimla, der ehemaligen Sommerhaupstadt der Briten, starten und in Dharamshala, dem Wohnsitz des Dalai Lamas, ändern. Sehr reizvoll, bin ich doch weniger ein Rennfahrer, als vielmehr an schönen Touren interessiert. Zum Anderen würden ehemalige Teilnehmer vom letzten Mal wieder kommen, mit denen ich im letzten Jahr eine enge Freundschaft schloss und seitdem nicht mehr gesehen hatte.

Impressionen vom MTB Himalaya 2016

Impressionen vom MTB Himalaya 2016

Doch der ausschlaggebende Grund für meine erneute Teilnahme war eine überraschende Ankündigung: Ich würde zum Start des Rennens offiziell als erstes weibliches Mitglied in das indische Hero Action Mountainbike Team aufgenommen werden! Das hieß gesponserte Rennteilnahme durch Hero Cycles/UT Bikes, ein neues Fahrrad und rundum Versorgung während des Rennens inklusive neuer Fahrradkleidung. Wow.

Ich war sprachlos.

Dieses Angebot konnte ich nicht ablehnen. Ziel dieser ganzen Aktion ist übrigens, dass ich den Mountainbike Sport in Indien unter Frauen populärer machen soll. Auch wenn ich international den Frauen keine Konkurrenz bieten kann, bin ich in Indien bei Fahrradrennen doch den wenigen indischen Frauen immer weit voraus. Als weibliches gesponsertes Hero Action Team Mitglied, werde ich versuchen, weitere indische Frauen für das Mountainbiking zugewinnen.

Mir blieb also nichts anderes übrig, als untrainiert und gesundheitlich angeschlagen nach Shimla zureisen.

ich mit gesponertem Fahrrad und Kleidung

ich mit gesponertem Fahrrad und Kleidung

Für mich begann die Preisverleihung schon vor dem Rennen mit der Pressekonferenz: Ich erhielt mein neues Fahrrad!!! Nicht das Beste vom Besten, aber immerhin war der Karbon-Rahmen deutlich leichter, Schaltung, Bremsen und Federung funktionierten einwandfrei.

Bei der Pressekonferenz Catherine Williamson, die diesjährige Gewinnerin des Rennens, überreicht mir das Hero Action Team Jersey

Bei der Pressekonferenz
Catherine Williamson, die diesjährige Gewinnerin des Rennens, überreicht mir das Hero Action Team Jersey

Auch hatte ich nun richtig professionelle Fahrradkleidung, mit einem tollen Jersey von meinem Sponsor Hero Cycles und die gepolsterten Hosen hatten auch diese Hosenträger. Mit letzteren konnte ich mich allerdings bis zum Schluss nicht anfreunden, verursachten diese Hosenträger doch einen erheblichen Zeitverzug beim Toilettengang und machten den gesamten Prozess doch zu einem eher aufwendigen Akt. Da muss sich die Fahrradindustrie doch noch irgendwie eine bessere Lösung einfallen lassen.

Doch es soll ja gar nicht um meine menschlichen Bedürfnisse gehen, sondern um das Hero MTB Himalaya Rennen.

Dieses Jahr war das Rennen mit insgesamt 8 Renntagen und einem Ruhetag um einen weiteren Tag verlängert worden. Es galt 650 km auf  Jeepstraßen, Waldwegen und  Singletrails und mehr als 15000 Höhenmeter zuüberwinden. Zum ersten Mal würde das Rennen in Dharamshala enden.

Catherine aus Großbritanien und Ilda aus Portugal- die beiden Erstplazierten bei den Frauen

Catherine aus Großbritanien und Ilda aus Portugal- die beiden Erstplazierten bei den Frauen

In dieser zwölften Edition des Rennens waren von den 68 Teilnehmern, sogar 9 Frauen mit dabei. Ein viel größerer Anteil, als noch in den letzten Jahren. Zwar hatten wir keine indische Teilnehmerin, aber dafür waren Profis wie Catherine Williamson aus Großbritanien, Ilda Pereira aus Portugal und Naima Madlen Diesner aus Deutschland mit dabei.

Andi aus Deutschland und Cory aus Kanada belegten die Plätze 1 und 2 in der Gesamtwertung

Andi aus Deutschland und Cory aus Kanada belegten die Plätze 1 und 2 in der Gesamtwertung

Die Männer waren mit noch mehr Mountainbike Größen vertreten: Andi Seewald aus Deutschland, Cory Wallace aus Kanada, Jason English aus Australien und Thomas Turner aus den USA sind nur einige Namen, die ich hier erwähne.

MTB Himalaya

Von Jahr zu Jahr nimmt beim MTB Himalaya die Dichte der Mountainbiker zu, das Rennen wird technischer und härter. Also genau das Richtige für mich!

Neben den vielen professionellen Fahrern, die für einen spannenden Rennverlauf gesorgt haben, kamen auch viele Hobby-Fahrer aus der ganzen Welt, um für ein paar Tage die Schönheit des Himalayas auf dem Mountainbike zugenießen. In diesem Jahr hatten wir übrigens eine besonders große Anzahl Deutscher Teilnehmer.

Monika und Frank aus Peine haben ihre Flitterwochen in Indien beim MTB Himalaya verbracht und prompt den 3. Platz in der Teamwertung gemacht! Alle Achtung. Wer mehr über ihre Geschichten auf dem Fahrrad nachlesen möchte, tut das am besten auf ihren http://www.radlblog.de/

Monika und Frank aus Peine haben ihre Flitterwochen in Indien beim MTB Himalaya verbracht und prompt den 3. Platz in der Teamwertung gemacht! Alle Achtung. Wer mehr über ihre Geschichten auf dem Fahrrad nachlesen möchte, tut das am besten auf ihrem Radlblog

Ich selbst konnte zwar nicht viel zu einem interessanten Rennen beitragen, hatte ich doch schon eher mit mir selbst zutun, genoss die neun Tage in den Bergen jedoch in vollen Zügen!

MTB Himalaya

Mir erschien das Rennen, wenn auch technisch anspruchsvoller, irgendwie einfacher oder besser gesagt „ machbarer“. Wenngleich ich das Fahrrad doch auch einige Male schieben ode sogar tragen musste. Kaum zuglauben, dass Andi und Co auf diesen dünnen und steinigen Pfaden tatsächlich noch fuhren.  Während ich die Auffahrten genoss und auch den eine oder anderen Teilnehmer überholen konnte, fluchte ich bei den technischen Abfahrten doch des Öfteren und schwor mir, bis zum nächsten Jahr mehr technisches Fahren zu trainieren. Der ein oder andere blaue Fleck sammelte sich auf meinem Körper an, mehr des Tragens wegen, als wegen der kleineren Unfälle, die mir passierten. Tatsächlich bin ich einmal bei einer geschätzten Geschwindigkeit von 2 km/h auf einem Singeltrail gefallen. Ein anderes Mal fuhr ich in ein Auto. Doch ich hatte Glück, weder ich, noch mein Fahrrad trugen größere Schäden davon. Nicht einmal einen Platten reifen hatte ich zuverbuchen! Puuhhh.

Marco aus Deutschland, der den Fahrradladen Radl Rasti in Lenggries betreibt, unterstützte hervorragend das Mechaniker Team

Marco aus Deutschland, der den Fahrradladen Radl Rasti in Lenggries betreibt, unterstützte hervorragend das Mechaniker Team

Witzigerweise traten Probleme mit dem Fahrrad immer erst im Camp auf. Einmal fiel die Pedale ab, das andere Mal riss die Kette und einmal wurde ein Reifenriss festgestellt. Naja, Glück gehabt, alle meine Probleme, sowie die der anderen Teilnehmer, wurden von den exzellenten Mechaniker Team,  bestehend aus Marco aus Deutschland, Bruno aus Portugal und dem indischen Hero Cycle Team, behoben.

Streckenprofil des 3. Tages. Es ging über den 3000 Meter hohen Jalori Pass

Streckenprofil des 3. Tages. Es ging über den 3000 Meter hohen Jalori Pass

Die Strecken waren toll, wir fuhren teilweise über  3000 Meter hohe Pässe, überquerten mehrere kleinere Bäche, sowie die mächtigen Flüsse Sutlej und Beas, fuhren durch Nadelwälder, über grüne Wiesen, steiniges Geröll, Obstgärten und hatten herrliche Aussichten. Manchmal blieb kaum genügend Zeit, die Schönheit der grünen Täler und abgelegenen Dörfer genügend Bewunderung zuschenken, änderte sich die Landschaft doch immer wieder und schließlich fuhren wir ja auch noch ein Rennen.

MTB Himalaya

Dieses Jahr konnte ich sogar die Zeit in den Camps genießen. Einmal kam ich nach knapp neun Stunden Fahrtzeit zwar erst gegen 17:30 Uhr durch die Ziellinie und verpasste damit das Mittagessen. In der Regel, schaffte ich es jedoch bis spätestens 16:30 Uhr anzukommen.

Mußestunden im Camp

Mußestunden im Camp

Camp- Zeit, hieß Spaßzeit! Ständig tischten die Köche neue Gerichte im Essenszelt auf und die meiste Zeit verbrachten wir wohl alle mit Essen. Doch dabei saßen wir nett zusammen, führten herrliche Gespräche, dehnten unsere Körper und kümmerten uns um unsere Fahrräder.

Ich dehne meinen müden Körper im Camp

Ich dehne meinen müden Körper im Camp

Es gab Duschzelte mit heißem Wasser, Toilettenzelte mit, nun ja Toiletten und je nach Wunsch Einmann- oder Zweimannzelte.

An unserem Erholungstag sorgten die Rennorganisatoren auch dafür, das wir einen kulturellen Eindruck von der Region im indischen Himalaya gewinnen konnten. So konnten die Rennteilnehmer eine Schule besuchen, es wurde am Abend ein kulturelles Musikprogramm geboten und Speisen aus der Region serviert! Toll. Zwar kenne ich natürlich „meinen Himalaya“, doch war es mir auch wichtig, dass meine Mountainbike Kollegen einen authentischen Eindruck von meiner Wahlheimat gewinnen konnten.

Traditionelle indische Tänze aus der Himalaya Region

Traditionelle indische Tänze aus der Himalaya Region

Manche Renntage waren auch abgesehen von dem eigentlichen Rennen höchst abwechslungsreich und spannend. Schaf- und Ziegenherden kreuzten die Rennstrecke, Schulklassen feuerten uns an, Kühe versperrten die Route und Lastpferde kamen uns entgegen. Manchmal lachte ich, manchmal musste ich aktiv Schafe aus meinem Weg scheuchen und hin und wieder, wenn die Pedale einmal besonders doll gegen meine Wade haute und der steinige Pfad kein Ende zunehmen schien, weinte ich auch.

MTB Himalaya

Schließlich endeten wir in Dharamshala und hatten eine tolle Abschlusszeremonie im internationalem Kricketstadium. Welch stimmiger Abschluss.

Siegerehrung im Kricketstadium

Siegerehrung im Kricketstadium

Doch das wirkliche Highlight passierte dann ganz zum Schluss. Die Organisatoren überraschten uns mit einem Treffen mit dem Dalai Lama! Zufall genug, dass der Dalai Lama gerade in Dharamshala war, reist er doch meistens durch die ganze Welt. Doch nun durften wir ihn sogar treffen!

Die Ausstrahlung des Dalai Lamas war ganz besonders, er machte in dem kurzen Treffen seine Späße, schüttelte meine Hand und machte ein Gruppen Foto mit uns. Der Wahnsinn!

Viele Freundschaften wurden geschlossen

Viele Freundschaften wurden geschlossen

Welch eine Zeit, welch Erlebnisse. Und auch wenn natürlich das Mountainbike Rennen im Vordergrund gestanden hat, waren es doch für mich die tollen Menschen, mit denen ich in dieser Zeit intensive Freundschaften schließen durfte und die diese Tage unvergesslich gemacht haben!