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Über die höchsten Pässe der Welt

Mit dem Motorrad in zwei Tagen von Leh nach Manali

Motorrad Tour Himalaya

Ich habe die 470 km zwischen Manali und Leh schon auf vielfältigste Weise überwunden: in acht Tagen mit dem Fahrrad, in 18 Stunden im Minibus, gemütlich im Auto und eben auch auf dem Motorrad.

Für Biker aus der ganzen Welt ist der Manali Leh Highway über insgesamt 5 hohe Pässe (der höchste ist 5327 m) ein muss und wahres Abenteuer. Unzählige Agenturen (auch wir) bieten mehrtägige geführte Touren über die zweithöchste Straße der Welt an.

Motorrad Tour

Während diese Touren Deluxe Unterkünfte, Back up Fahrzeug, Mechaniker und Ersatzteile bieten, sind mein Partner Jogi und ich auf unserer zweitägigen Tour durch die Hochgebirgswüste auf uns allein gestellt.

Aufgrund unserer Tätigkeit im Trekking- und Abenteuer Businesses sind wir in den Sommermonaten immer wieder in Leh. Um zurück nach Manali, unserem zuhause, zu kehren, nehmen wir gern das Angebot befreundeter Biketouren-Veranstalter an um deren Motorräder von Leh zurück nach Manali zu bringen.

Eine Win-Win- Situation: Die Veranstalter bekommen ihre Bikes kostenlos zurück zum Ausgangsort ihrer Touren und wir haben ein Motorrad und müssen nicht Stunden in einem Schaukelnden und überfüllten Fahrzeug verbringen.

Immer wieder freuen wir uns über die Möglichkeit des kleinen Trips. Während andere lange Zeit auf diese Tour sparen, fahren wir sie mal eben zwischen durch!

Das geht natürlich für uns nur, weil Jogi ein gebürtiger Bergjunge ist, der sich in diesem Gebirge auskennt und es schon sein leben lang auf zwei Rädern befährt. Auch bin ich indisch genug, um lange unbequem sitzen zu können, mich mit einfachen Schlafsituationen zufrieden gebe und glücklich mit Reis und Linsen als Mahlzeit bin.

Debring Motorrad

Im letzten Jahr hatten wir die Strecke sogar innerhalb eines Tages zurück gelegt. Doch war die 17 Stunden Fahrt doch etwas lange. Diesmal wollten wir etwas mehr Erholung, dennoch sind auch an zwei Tagen Fahrt, die Tage lang.

Gefahren wird natürlich eine Royal Enfield, 350 CC. Jogi fährt, ich sitze hinten und trage unsere Rucksäcke.

Die Strecke ist einmalig und bezaubert mich immer wieder: Das lange Industal, die Roten Felsen um Rumtse herum, der weite Blick vom Tanglang Pass, die grünen Ebenen der Morray Plains, die Camps der Nomaden, wilde Esel, bunte Trucks, enge Kurven bei den Gata Loops, grüne Dörfer im Lahoul Tal, der wolkenverhangene Rothang Pass und endlich wieder Bäume!

Motorrad Trip im Himalaya

Nicht eine Minute wird mir langweilig, Stundenlang kann ich mich an den Felsformationen, der Sandwüste und reißenden Flüsse erfreuen.

Natürlich ist es auch schmerzhaft. Wer öfter hinten sitzt, weiß wovon ich schreibe: schmerzender Hintern, angespannte Schultern, kalte Knie. Doch die Strecke entschädigt für das Leid. Ein Tee zwischendurch in den kleinen Zeltständen und mit mehr Energie und etwas aufgewärmt geht es weiter zum nächsten Pass.

Motorrad Tour Manali Leh

Die Straßenbedingungen sind wechselhaft: von frisch geteert, über lose Steine bis hin zu Sandwegen ist alles vertreten. Hier sind gute Fahrkenntnisse ein muss: nicht selten geht es immer kleine Bächlein, die sich ihren Weg über dien Highway Bahnen, hin und wieder ist die Straße gerade einmal einspurig, also aufgepasst: Gegenverkehr.

Neben der Kilometeranzeigen zum nächsten Ort, gibt es auch immer wieder lustige Schilder mit Sprüchen wie: „ Drinking Whiskey is Riskey“, oder „The enemies of the road are Liqiour, Speed and Load“.

Doch diese Sprüche sind purer ernst: öfter als uns lieb ist sehen wir abgestürzte Trucks oder zerbeulte Autos auf der Strecke.

Doch Jogi fährt uns sicher bis nach „Whiskey Nallah“, unseren ersten Strecken Abschnitt. Nallah bedeutet Fluss, also Whiskey Fluss. Doch hier gibt es weder einen Fluss noch Whiskey: Lediglich drei kleine bewirtschaftete Zeltunterkünfte finden wir hier. Unsere Herberge wird von drei ladakischen Frauen geführt. Mit leckerem Dhal (Linsen) und selbst hergestellten Jogurt werden wir gut verpflegt. Auch mehrere Trucker sitzen mit uns in dem gemütlichen Zelt und sind so wie wir mit dicken decken bedeckt. Immerhin befinden wir uns hier auf 4700 m Höher. Die Luft ist hier oben nicht nur dünn, sondern auch ziemlich kalt.

Jogi und ich schlafen in einem eigenen Zelt. Ich muss lachen als ich unsere Unterkunft sehe. Denn Jogi redet noch immer von Urlaub. Während ich unter den drei Decken langsam warm werde, Träume ich von einer Hängematte am Strand. Da soll so manch einer ja auch seine Urlaubstage verbringen.

Doch wir schlafen gut und lang. Nach einer leckeren Parantha (gefüllter Brotfladen) geht es in der ersten Morgensonne weiter. Mit neuer Energie erklimmen wir Pass Nummer drei. Viele Kilometer liegen bis Manali noch vor uns. Immer wieder kommen unsere andere Biker mit hochgehobenen Daumen entgegen. Auch den ein oder anderen Fahrradfahrer treffen wir.

Motorrad Tour Himalaya

Hin und wieder wechsle ich meine Sitzposition: Mein Hintern tut nun doch etwas weh. Angehalten wird nur für die Passkontrolle, den Toilettengang oder einer Mahlzeit.

Umso schöner ist es, endlich den letzten Pass, den Rothang (3890 m) zu überqueren. Ich riche feuchte Luft, Wald und Blumen: Wie herrlich, ich bin wieder zuhause.

Mit dem Motorrad auf dem Manali- Leh Highway ist ein wahres Erlebnis und sollte anschließend mit einem Aufenthalt in Leh und Fahrten zum Pengongsee und ins Nubratal ´verbunden werden.

Drei Tage für diese Strecke sind deutlich angenehmer: man sieht mehr und hat auch etwas Erholung zwischendurch. Sowohl die Höhe als auch die Straßenbedingungen sollten nicht unterschätzt werden und ein Mechaniker im Begleitfahrzeug hat schon so manchen Fahrer vor einem unfreiwilligen Stop mitten im nirgendwo bewahrt. Denn eines sollte man Wissen: auf dieser Strecke gibt es für mehrere Hundert Kilometer nichts: kein Dorf, keine Tankstelle, keinen Pannenservice. Man ist auf sich allein gestellt.

Motorrad Reperatur

Eine Reifenpanne passiert schnell. Auch Jogi und ich hatten schon öfter unterwegs Probleme mit dem Bike und waren von Jogis Mechaniker-Talenten abhängig!

Heute, am Tag nach unserer Ankunft, schmerzt mein Körper, wie nach einem harten Fitnesstraining und für ein paar Tage werde ich das motorisierte Zweirad wohl meiden. Doch ich weiß schon jetzt, das ich die nächste Motorradtour auf dem legendären Highway nicht ausschlagen werde!!!