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Indische Schulbildung

Oktober Kalenderblatt Geschichte Nr. 10

Auch für indische Kinder gilt seit einigen Jahren  die Schulpflicht. Der Premierminister Modi setzt sich seit den letzten Jahren besonders stark dafür ein, dass vor allem auch Kinder aus den ländlichen Gebieten und auch die Mädchen eine Chance auf Bildung haben und ihren 10. Klasse Abschluss fertig machen.

Um besonders die, in einigen ländlichen Regionen immer noch etwas benachteiligten, Mädchen auf ihren Bildungsweg zu unterstützen, ist der Besuch der staatlichen Schule für sie, inklusive Schulmaterial und Verpflegung, völlig kostenlos.

eine Bergschule

Die Bildung der wohlhabenden indischen Oberschicht

Die wohlhabenden und gebildeten indischen Eltern, zumeist aus den Metropolen Indiens, erkennen durchaus die Wichtigkeit einer guten Schulbildung und schicken ihre Kinder zumeist auf teurere Privatschulen und täglichen Nachhilfeunterricht.

Bei diesen Kindern wird oft ein enormer Druck durch die Eltern aufgebaut. Denn in Indien gibt es viele Menschen und nur die mit den besten Abschlüssen von den besten Schulen und Universitäten werden erfolgreich, so die Annahme. Leider genießen staatliche Schulen nicht den besten Ruf, da die Lehrer sich ihren Job sicher sein können und somit recht unmotiviert sind.

Bei vielen Kindern aus Haushalten von besser gestellten Familien, konnte ich erkennen, wie wenig Kindheit diesen jungen Menschen bleibt und dass sich ihr Lebensinhalt ausschließlich um das Lernen dreht.

Man möchte an die besten Unis, die besten Leistungen erzielen, um dann erfolgreich zu sein und reich zu werden.

Hin und wieder, reichen die Leistungen der Schüler nicht ganz aus, werden dem Lehrer durchaus auch einmal etwas „ Bakschish“ zugesteckt. Auch das kann die Noten auf den Zeugnissen etwas verbessern.

Leider ist der Druck mancher Eltern und Lehrer auf die jungen Studenten so stark, dass man nicht selten in den Zeitungen zu lesen bekommt, dass ein Schüler den Freitod gewählt hat.

Das ist die eine Seite der indischen Bildungsgeschichte, die andere geht in die genau entgegensetzte Richtung.

Schulbildung in der ländlichen Region

Bis vor wenigen Jahren war es noch besonders in den ländlichen Gegenden nicht üblich, die Schule zu besuchen. Wozu auch, alles was man zum harten Überleben auf dem Land gebraucht hat, hat man zuhause oder auf dem Feld gelernt: Essen kochen, Felder bestellen, Tiere versorgen, Kleidung nähen, Wäsche waschen, die Kinder versorgen.

Mathematik und selbst lesen und schreiben brauchte man nicht. Die Kinder, sowohl die Söhne, als auch die Töchter, wurden schon von Kleinauf mit zur Arbeit herangezogen, sonst schafften die Familien es einfach nicht, über die Runden zu kommen.

Wenn der Sinn in einer guten Schulbildung doch erkannt wurde, dann wurden nur die Söhne zur Schule geschickt, damit diese dann einen „richtigen“ Job machen konnten und Geld nachhause schafften. Die Mädchen sollten zuhause bleiben und den Haushalt führen, so wie sie es auch machen würden, sobald sie verheiratet werden und zur Familie des Mannes ziehen würden.

Noch immer ist diese Ansicht weit verbreitet.

Von indischen Männern und Frauen, die nie zur Schule gegangen sind

Ich selbst kenne viele Männer und Frauen die entweder nie, oder höchstens die ersten Jahre zur Schule gegangen sind, dann aber den Sinn nicht mehr erkannten und lieber schon in jungen Jahren harte körperliche Arbeit zuhause oder als einfache Angestellte, verrichtet haben. So hatte man wenigstens Geld oder etwas zu essen.

Diese Männer und Frauen sind nicht dumm und auf ihre eigene Art und Weise teilweise besser gebildet und  auf ihren Arbeitsbereich spezialisiert, als ich:

Da gibt es Kundal, einen rajasthanischen Taxifahrer. Er kann weder lesen noch schreiben, doch dafür ausgezeichnet Autofahren und hat sich das Englisch selbst durch Gespräche mit Touristen beigebracht. Auf die Frage, wie er sich durch die komplizierten Straßenführungen in den Städten navigieren kann, wenn er doch nicht einmal die Straßenschilder lesen kann, tippt er nur auf seinen Kopf.

Ashok holt mich mit seinen beiden Kindern vom Bus ab

Ashok ein Trekkingführer und –koch ist nur die ersten drei Jahre zur Schule gegangen. Er wurde von den ansonsten recht unmotivierten Lehrern geschlagen und ist dann einfach nicht mehr hin. Zu Beginn hatte er seinen Vater mit den Ziegen geholfen, später hat er als helfende Hand Trekkinggruppen begleitet und sich über die Jahre immer weiter hochgearbeitet. Mittlerweile ist er ein sehr gefragter Bergführer, denn in seinen Bergen kennt er sich bestens aus.

Shumni und ihr Mann Ashok

Seine Frau Shumni ist erst gar nicht in die Schule gegangen. Doch eine Ausbildung hat sie zuhause dennoch genossen: Sie kann nähen, Stricken, kochen, weiß wie man ein Feuer zündet, kann eine Kuh versorgen und verfüft Wissen über essbare oder heilende Wildkräuter.

Als ich Ashok und seine Familie einmal in ihrem Dorf besuchte, war ich beeindruckt von Shumnis Stärke und harter Arbeit. Ich selbst wäre hier auf dem Land mit meiner guten Schulbildung völlig verloren, wohingegen Shumni sich um zwei Kinder, ihren Mann, zwei Kühe und sich selbst kümmert!

Jogesh beim Feuertanz

Jogesh aus Rajasthan hat sich schon als kleiner Junge seinem spirituellen Guru angeschlossen und zieht nun mit ihm als spiritueller Sänger und Feuertänze durch das Land. Eine klassische Schulbildung hat er nie genossen, dafür hat er durch die Gefolgschaft seines Gurus viel über Yoga und indische Philosophie gelernt und lebt diese auch.

Alle diese Menschen sind auf ihre Art und Weise glücklich und gebildet. Sie verrichten einen Job und können davon Leben und sich selbst und ihre Kinder versorgen. Ihre Entscheidung (oder die ihrer Eltern), keine Schule besucht und keinen Abschluss zu haben, beschämt sie dennoch und schränkt sie in ihrem Leben, wo das Zählen, Rechnen, Lesen und Schreiben immer wichtiger wird, nun doch ein.

Für die Bildung ihrer eigenen Kinder sparen sie alle, um sowohl ihre Söhne, als auch Töchter, auf gute Privatschulen schicken zu können. Denn diese sollen es dann man besser haben als sie selbst, die täglich harte, körperliche Arbeit verrichten müssen und dafür wenig Anerkennung bekommen und ihr Geld nur mühselig verdienen.

Der Kamelreiter

Auch unser junger Kamelreiter auf dem Foto hat sich gegen die Schule und dafür für eine Ausbildung als Kamelführer für Kamel Safaris mit Touristen entschieden. Momentan ist er glücklich, denn er ist mit seinen Kamelen zusammen, verdient sein eigenes Geld und muss nicht, wie seine Freunde, stundenlang die Schulbank drücken.

Doch wer weiß, vielleicht bereut er seine Entscheidung einmal irgendwann und ist als Vater dann etwas strenger und schickt auch seine eigenen Kinder in die Schule.