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Erster Tag in Indien- was alles schief gehen kann, aber nicht muss…

Heute veröffentliche ich für euch den Tagebucheintrag meiner Schwester, die letzten Sommer mit ihrem Freund nach Indien gekommen ist, um etwas zu reisen und mich zu besuchen.

Aufgrund einer meiner Touren, konnte ich die beiden nicht in Delhi im Empfang nehmen, buchte jedoch schon ihr Hotel und eine Fahrrad-Sightseeing Tour durch Old Delhi und versorgte die beiden mit ausreichend Tipps, für ihren ersten Tag in der großen Stadt (bzw. der ersten Stunden am Flughafen).

Es war nicht die erste Reise  in Indien für meine Schwester, so dass wir  zuversichtlich waren, dass alles klappen würde. Doch lest selbst was passierte… Unterhalb ihres Tagebucheintrages findet ihr dann noch einmal gesammelt einige Tipps und Hinweise für den ersten Tag in Delhi.

Montag, 31. August

Um 2:45 Uhr landen wir am New Delhi Airport. Die

Passkontrolle überstehen wir – der Inder ist dabei mindestens genauso müde,

wie wir und gähnt dreimal herzhaft. Jetzt müssen wir nur noch Sarahs

Anweisungen folgen:

  1. Pre-Paid-Taxi für 300 Rs (4 Euro) ordern. Voller Vorfreude laufen wir auf das

Schild zu, dass ein Inder hochhält. Doch die Fahrt durch die Nacht soll

1000 Rs kosten. Nach langem Zögern, verrät uns der Agent, dass ein anderes

Office billigere Angebote hat und tatsächlich! Hier kostet es uns nur 480 Rs.

Dafür gibt es ein Wechselgeldchaos in dessen Folge wir beinahe den doppelten

Preis bezahlt hätten. Danke dem ehrlichen Inder.

  1. Zum Vivek-Hotel fahren. Obwohl wir nicht wissen, wo wir hin müssen, werden

wir gleich in Empfang genommen und zum Taxi geleitet. Paul freut sich sogar

bei leeren Straßen über den Verkehr und unser Fahrer über meine

Hindi-Brocken. In Pahar Ganj angekommen, werden wir jedoch mit einem

abgeriegelten Stadtteil konfrontiert: die Polizei lässt uns nicht herein.

Also entschließt sich der Fahrer in ein Reisebüro zu fahren, von wo aus ein

junger Mann Kontakt mit dem Vivek-Hotel aufnimmt um herauszufinden, wie wir

trotz eines Festes, das gerade stattfindet zum Hotel kommen. Ergebnis: Trotz

Reservierung kommen wir nicht ins Hotel! Es ist Mitten in der Nacht und in

circa zwei Stunden startet unsere gebuchte Fahrradtour. Der Fahrer fuhr uns also in

einen anderen Stadtteil, in ein anderes Hotel. Über unsere Vorstellung,

nicht mehr als 1000 Rs zahlen zu wollen, lacht er nur und lädt uns in einem

für 6000-8000 Rs/Nacht ab. Das können und wollen wir uns nicht leisten. Nach

Verhandlungen reduziert sich das Angebot auf 4200 Rs, was immer noch 50 Euro

sind und für uns viel zu teuer. Dafür kann man in Indien eine Woche leben.

Wir lehnen ab, wollen weiter gucken. Es ist inzwischen 5 Uhr. Doch der

Fahrer kennt nichts billigeres, wir sind müde und im dunklen Delhi können

wir wohl kaum herumlaufen.

Das Hotelzimmer ist dafür sauber, groß, mit AC und weichem Bett.

Endlich im Hotel

Endlich im Hotel

Eine Stunde später müssen wir schon wieder weiter:

  1. Fahrradtour durch Old Delhi.

Die Tour war bereits gebucht und bezahlt. Jedoch wussten wir nicht inwieweit das

ominöse Festival Einfluss auf das Areal hatte-anscheinend keine, denn die

Tour fand statt. Für weitere 150 unverschämte Rupien fuhren wir nach Old

Delhi, als wir merkten, dass wir keine Adresse vom Hotel hatten. Also

verabredeten wir uns mit dem Rikshahfahrer zu 10 Uhr zum Abholen. Außerdem

hatten wir ja den Hotelschlüssel. Zwei Inder und eine Belgierin in orangen

Shirts erwarteten uns bereits an den Fahrrädern.

Fahrradtour durch Old Delhi

Fahrradtour durch Old Delhi

 

Nach einer kleinenProbefahrt und Einweisung: rechts, links, geradeaus, stopp, fuhren wir mit

den Gang- und Federlosen Rädern durch die kleinen Gassen der alten Stadt,

die geprägt vom Stil der Moslems ist. Auf den Großmogul Shah Jahan, der auch

das Taj Mahal errichten ließ, sind die meisten Sehenswürdigkeiten zurück zu

führen (das Red Fort, die Moschee und die Stadtmauer).

Das Rote Fort

Das Rote Fort

Es gibt z.B dieSage, dass zwischen dem Red Fort in Delhi und dem in Agra ein

kilometerlanger Tunnel besteht. Mehr als die Geschichte der Plätze bannten

uns die Eindrücke des indischen Alltags: der unüberschaubare, mörderische

Straßenverkehr, der Barbier oder Waagen-Mann am Straßenrand, der schmelzende

Eisblock, der transportiert wurde oder die auf der Straße bügelnde Frau. Der

Kulturschock für Paul war bereits jetzt perfekt. Wirklich entsetzt waren

wir, als wir sahen, wie Fleischkadaver auf dem Rücken alter Männer zum

nächsten Lokal transportiert wurden, die Fliegen sich auf übelriechendem

Fisch und Fleisch tummelten und Gehirne und Leber mitten auf der Straße

zerhackt wurden. Damit war der Entschluss endgültig gefasst, sich diesen

Monat vegetarisch zu ernähren.

Fluss Yamuna

Fluss Yamuna

Die ersten Eindrücke, die wir bei der Tour

erhielten, waren auf jeden Fall aufregend und mit einigen Highlights

verbunden: Besonders schön war der Blick auf den Yamuna-River, Paul trank

seinen ersten Chai, und wir wurden Teil des Straßenverkehrs, mit 2 Regeln:

  1. Der Stärkere gewinnt
  2. Blow horn/Ring Bell

Die Tour endete bei Karim (ein berühmtes Restaurant in Delhi) mit Alu-Matter (Erbsen und Kartoffel Curry) und

Mango-Juice und mit den anstrengendsten 10 Minuten durch die nun überfüllten, stinkenden Straßen.

Ein herzhaftes Frühstück

Ein herzhaftes Frühstück

  1. Zurück zum Hotel. Als wir erst 10:40 Uhr am Treffpunkt ankamen,

befürchteten wir, dass der Rikshahfahrer nicht mehr warten würde-und hatten

Recht!

Wo ist die Rikschah??

Wo ist die Rikschah??

Doch zum Glück hatten wir ja den Hotelschlüssel. Bis wir merkten,

dass darauf kein Name, keine Adresse, sondern nur ein Zeichen und die Notiz,

den Schlüssel an der Rezeption abzugeben, zu finden war. Wie, um Gottes

Willen, sollten wir nun jemals zurück finden?! Unsere gesamten Sachen waren

dort, das Busticket, die Rucksäcke. Bevor noch mehr Panik aufkommen konnte,

liefen wir zurück zum Treffpunkt, wo glücklicher Weise noch unser Guide war.

Er versuchte uns zu beruhigen und mit den wenigen Informationen, die wir

hatten herauszufinden, wo wir hin mussten. Dann fiel es mir ein: am Morgen

hatten wir ihn vom Hotel aus angerufen. Und tatsächlich, dank der Nummer

hatten wir nun auch die Adresse und wurden sogar bis vor die Haustür

gefahren, wobei wir bis zum Schluss unsicher waren, ob wir richtig waren.

Daran erkennt man wieder: A) Die Inder sind unmöglich (z.B. falsche

Hotelreservierung mitten in der Nacht) B) Die Inder machen alles möglich

(z.B. Hotel finden) Nach diesem morgendlichen Stress, zahlten sich das Bett

und die AC aus, sodass wir bis zum Nachmittag schliefen.

  1. Fahrt zum Busstopp. Die Fahrt wurde uns ja bereits bestätigt, allerdings

beharrten die Männer an der Rezeption darauf, dass wir mindesten zwei

Stunden vorher da sein müssten und in der Rushhour mit bis zu neun Spuren,

sicher eine Stunde bräuchten.

Verkehr in Delhi

Verkehr in Delhi

Der Rikshahfahrer konnte uns dann aber

überzeugen zu einem näheren Busstop zu fahren -zwar für denselben Preis-aber

vor Ort klappte dann wenigstens alles und wir konnten zum ersten Mal

entspannen.“

Tipps und Hinweise von Sarah

1. Lest den Artikel  „Ankunft in Delhi- Erste Stunden in Indien“.

2. Bucht euer Hotel vorab und nehmt unbedingt die Adresse und Telefonnummer mit.

3. Falls Unsicherheit besteht und ihr eine Nummer Sicher gehen wollt: Lasst euch von dem Hotel ein Taxi im Voraus organisieren und euch abholen. Das kostet euch vielleicht 5 Euro mehr, erspart euch aber viel Stress und Betrügereien.

4. Falls ihr euch ein Taxi am Flughafen bucht, benutzt die Schalter IM Flughafen Gebäude, am besten den Prepaid Schalter (Fester Preis und Kontrolle der Polizei). Achtet hier aber auf euer Wechselgeld. Manchmal werden einen nur 100 Rupien (1, 50 €) herausgegeben (anstelle von 500 Rs = 8 €) in der Hoffnung, dass man es selbst nicht merkt. (wer kennt sich am Anfang schon mit der Währung aus)

5. Tagsüber gibt es auch eine tolle Flughafen Metro, die euch für ca 3 Euro pro Person direkt zur New Delhi Railway Station bringt. Sie ist nah an dem Touristenviertel Pahar Ganj gelegen. Allerdings müsst ihr von dort auch mit Rikschah oder Taxi weiter, dass ist also nur eine Option für erfahrene Backpäcker !

6. Es ist eine betrügerische Masche von Rikschahfahrern die mit Reiseagenturen zusammenarbeiten, den Reiseneulingen zu erzählen, das Viertel in dem euer Hotel steht sei gesperrt aufgrund von Festivals, Bauarbeiten etc. DAS STIMMT NICHT. Es gibt solche Festivals nicht!!

Die Rikschahfahrer bringen euch dann zu einer Agentur, die euch gleich komplette und überteuerte Touren für eure Reise buchen möchte, in eine teures Hotel unterbringt und der Rikschahfahrer kassiert ordentlich Provision.

Nachts stehen überall Polizisten um die Straßen zu sichern, dass bedeutet aber nicht, dass das Viertel gesperrt ist. Also weigert euch mit Händen und Füßen und droht, die Polizei mit einzubeziehen! Am besten nach dem Handy des Rikschahfahrers fragen und das Hotel anrufen.

7. Eine Fahrradtour in den Morgenstunden in Old Delhi ist wahrlich interessant, aber auch ein riesiger Kulturschock. Hier muss man selber entscheiden, ob man sich das gleich am ersten tag antun möchte oder nicht.

8. Natürlich habt ihr immer die Adresse und Kontaktdaten des Hotels mit dabei!

9. Der Rikschahfahrer wartet nur, wenn ihr ihn erst ganz am Ende bezahlt.

10. Der Verkehr in Delhi ist schlimm und man MUSS viel Zeit einplanen, oder die Metro nehmen

11. Lasst euch von den Indern helfen. Die oben genannten Hinweise, lassen vermuten, dass man den Indern nicht trauen kann. Das stimmt so nicht. Inder sind in der Regel sehr hilfsbereit und nett. Lediglich die Touristenfänger ziehen ihren Nutzen aus unserer Unsicherheit und Unwissenheit, besonders kurz nach der Ankunft. Also, wenn es Probleme gibt, geht auf die Menschen zu und bittet um Hilfe. Zu Not, kann man immer in eine Rikschah springen, dem Fahrer die Adresse nennen und man wird auch dort hingebracht wo man hin möchte.

12. Am besten bucht ihr die Reise einfach bei Chalo! Reisen 🙂 Dann hole ich euch vom Flughafen ab, bringe euch in unser Hotel und werde euch sicher durch die Wirren Delhis führen!