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Eine Zugfahrt die ist lustig, eine Zugfahrt die ist schön…

.. und in Indien ist sie auch oft recht abenteuerlich! Ich sitze gerade in dem DURONTO – Express von Bangalore nach Delhi. Geplante Fahrtzeit beträgt 31 Stunden, also Zwei Nächte und einen ganzen Tag auf über 2400 km quer durch Indien. Unser Zug ist schnell. Er fährt ohne Halt durch bis nach Delhi, bei früheren Reisen brauchten wir für die gleiche Strecke fast 10 Stunden mehr, hatten dafür aber auch das Erlebnis, den einen oder anderen Bahnhof zu besuchen.

Diese Zugfahrt bedeutet für mich, im Vergleich zu vorherigen, Entspannung und Luxus: Wir haben die Klasse „3 A/C“ gebucht, das bedeutet klimatisiert, ein Bett in einem Achter-Abteil mit Bettlaken, Decke und Kissen und Komplettverpflegung inklusive Wasser, Chai und Non-Veg. Zwischen den Wagongs gibt es überaschenderweise Mülleimer und auf der verhältnismäßig sauberen Toilette gibt es unerwartet Seife!! Dafür haben wir auch einen deutlich höheren Betrag bezahlt: 3500 Rupien, mehr als 40 Euro. Für die unklimatiserte Variante, genannt Sleeper Class,(die in diesem schnellen Zug gar nicht angeboten wird) bezahlten wir sonst immer um die 10 Euro. Somit ist Zugfahren wirklich die guenstigste Variante, um in Indien quer durch das Land zureisen!

Auch in dieser Klasse besitzt man ein Bett in einem Achter-Abteil. Die mittleren Betten können tagsüber eingeklappt werden. Hier gibt es Ventilatoren an den Decken, die den Staub und warme Luft durchwirbeln und vergitterte offene Fenster. Während man in der Mittagszeit an den schwitzigen Sitzen klebt, fühlt man sich am Fenster, halb draußen, halb drinnen und kann Indien so auf eine ganz besondere Art und Weise erfahren. Körperteile sollte man jedoch nicht hinaushalten, weiß man doch nie, welche Art Flüßigkeit einem aus den vorherigen Zugabteilen entgegen kommt.

Während die Stunden im Zug träge vorbeiziehen und man auf die nächste Mahlzeit oder einsteigende Verkäufern wartet ( verkauft wird alles, über Schmuck, Snacks, Kleidung und Büchern), verschmutzt der Zug allmählich. Den indischen Passagieren scheint wenig an der Sauberkeit des Zuges, sowie der Natur zuliegen (Abfälle werden üblicherweise aufgrund eines Mangels an Mülleimern aus den Fenstern geworfen), versucht man sowenig wie möglich zu berühren und freut sich, wenn sich wenigsten der Besuch von Insekten in Grenzen hält. Man hat Glück, wenn das Wasser in den Tanks noch bis zur letzten Station reicht und morgens kann es vor der Toilette mintunter zu langen Warteschlangen kommen.

Auch sollte man versuchen, sein großes Geschäft nicht während eines Bahnhofstops zu verrichten, da das Produkt direkt auf die Schienen durch ein Loch fällt.

Und dennoch, eine Zugfahrt im Sleeper Abteil gehört zum Reisen in Indien dazu. Nette Gespräche mit Mitreisenden, die gerne ihr selbstgemachtes Essen teilen, das Ausprobieren von unbekannten Snacks auf den Bahnhöfen quer durch Indien und die vorbeiziehende Landschaft Indiens, machen die anstrengende Zugfahrt fast schon wieder wett.

Das Highlight ist wohl das Stehen an den offenen Zugtüren: während einem der Fahrtwind erfrischt, ziehen Land und Menschen an einem vorbei!

Ein wenig irritierend sind die sogenannten Hijhara,aus der gesellschaft ausgestoßene Männer in Frauenkleidung, die in Indien eine besondere Stellung haben. Sie durchqueren die Züge um mitreisenden Männern in eine etwas unkomfartable Situation zu bringen und für das Abstandhalten und „nicht verflucht werden“etwas „Bakschich“ verlangen. Auch kommen viele Bettler, alt und jung, krank und behindert, durch den Zug. Dafür ist es immer ratsam, etwas Kleingeld mit sich zutragen!

Nun jedoch  ist das alles weit von mir entfernt. Entspannt sitze ich auf meiner Fensterbank, genieße den Blick nach draußen und ruhe mich einfach einmal von den Reiseanstrengungen des letzten Monats durch Südinden aus.

Hätte mir vorher jemand gesagt, wie erholsam so eine lange Fahrt sein könnte, hätte ich es wohl nicht geglaubt!

Nun ist diese Klasse noch nicht einmal die Beste: Es gibt eine Klase, mit nur 6 Betten pro Abteil und die erste Klasse in der sich nur 2 oder 4 Personen ein Abteil mit Toilette teilen. Für diese Klasse ist das Ticket jedoch schon so teuer, das man sich dann wohl doch eher einen Flug leisten könnte.

Meine längste Fahrt hatte ich im letzten Jahr im April, der heißesten Zeit in Indien: Über 50 Stunden (Verspätung mit eingerechnet) fuhren wir in der unklimatisierten Sleeper Class. Eine Fahrt die ich niemanden Empfehlen würde, der sich eine A/C Klasse oder besser noch einen Flug leisten kann. Bei 2 Nächten und 2 Tagen Zugfahrt muss man schon sehr geübt im Nichtstun und Sitzen sein.

Auch mit der Strecke zwischen Delhi und Jaisalmer habe ich in der Sleeper Klasse noch keine guten Erfahrungen machen können. Auf dieser Strecke sind die Züge in beiden Richtungen so dermaßen überfüllt, dass sich trotz gebuchten Platzes, oft doppelt so viele Menschen im Abteil wie Sitzplätze befinden.

Dann lieber A/C buchen, den diese Abteile sind für Reisende ohne Sitzplatzreservierung gesperrt.

Es gibt noch eine Klasse unter der Sleeper Class: Die General Class, die es allerdings nicht in jedem Zug gibt. Hier gibt es keine Sitzplatzreservierungen und die Abteile mit ihren Holzbänken sind bis oben hin gefüllt, eine Erfahrung dich ich als neunzehnährige zusammen mit einer Freundin auf der Strecke von Jaipur nach Delhi machen musste und ungern wiederholen möchte.

Eine Zugfahrt in Indien ist also so wie alles in Indien: man muss sich darauf einlassen, weiß nicht was einen erwarten wird und oft gibt es positive Überraschungen und mit sicherhalb viele Erlebnisse!

Die besten Sonnenuntergänge, die schönsten Eindrücke und die interessantesten Begegnungen hatte ich in indischen Zügen!